06. März 2010 · Kommentare deaktiviert für Kloster Ettal – körperliche Gewalt als Teil des täglichen Lebens? · Kategorien: Standpunkte · Tags: , , , ,

radio.gifgsf – Am 5.3.2010 interviewte die radioWelt von Bayern 2 in einem Telefoninterview im Rahmen der Reportage über sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder am Kloster Ettal Christoph Moosbauer. Moosbauer war von 1992 bis 1995 Geschäftsführer der Jungsozialisten München und von 1998 bis 2002 für die SPD im Bundestag. Als Schüler besuchte er von 1979 bis 1988 das Benediktinergymnasium Ettal.

Christoph Moosbauer konnte in jeglicher Hinsicht die Vorgänge in Ettal bestätigen. Er berichtete von eigenen Erlebnissen. Die Existenz sexueller Übergriffe war nach seinen Aussagen ein Gemeingut, auch wenn viele nicht betroffen waren. Über die Gewaltpraxis erzählte er: „Was die körperliche Gewalt angeht, die war tatsächlich – und ich denke für ausnahmslos alle, die dort im Internat waren – Teil des täglichen Lebens.“

Im weiteren Verlauf des Interviews wurde er vom Moderator (Tilman Seiler) gefragt, ob er als Insider erklären könne, „wie das sein kann, das sich so ein quasi kriminelles System so stabil und undurchlässig halten kann?“

Hier seine sehr aufschlussreiche Antwort:

„Ich glaube vor allen Dingen deswegen, weil das System sich selbst nicht als kriminell begreift, und das hat viel zu tun, dass da verschiedene Phänomene in sich greifen, dass es keine Beschwerdestrukuren gibt, die wirklich vertrauenswürdig sind, eine mangelnde Kritikkultur, ein in der katholischen Kirche vorhandenes gestörtes Verhältnis zur Körperlichkeit, die Überbetonung der Seele gegenüber dem Körper, eine natürlich sichere Täterumgebung, die man ja jetzt auch sieht.

Also es ja nicht so, wenn was an aktuellen Fällen ans Licht der Öffentlichkeit kommt, dann ist nicht als erstes die Staatsanwaltschaft da, wie das in allen anderen Fällen wäre, sondern dass man nicht ein Staat im Staate ist, sondern ein System, das über dem Staat steht und sich deswegen auch nicht rechtsstaatlicher Systematiken unterziehen muss. Das ist natürlich in den Köpfen immer da und das sichert auch den Tätern eine, ja relativ komfortable Umgebung zu. Das wissen die Täter, und das nutzen sie dementsprechend aus.“

Das gesamte Interview sollte man sich nicht entgehen lassen und als mp3 downloaden. Hier geht es zu den Telefon-Podcasts von Bayern 2 (Titel: Christoph Moosbauer – 05.03.2010) und hier zum direkten Download des Interviews (6,7 MB).

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