03. Mai 2010 · Kommentare deaktiviert für Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien wirksam begegnen · Kategorien: Standpunkte · Tags:

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) zur aktuellen Debatte über sexuellen Missbrauch und körperliche Gewalt

Bei den zahlreichen Fällen von sexuellem Missbrauch in Institutionen, die in jüngster Zeit aufgedeckt werden, darf nicht übersehen werden, dass die schwerwiegendsten Entwicklungstraumatisierungen beim Missbrauch durch Vertrauenspersonen innerhalb der Familie geschehen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) in ihrer Stellungnahme „Kindesmissbrauch wirksam begegnen“ hin.

„Jeder Schlag ins Gesicht oder auf den Po und jeder sexuelle Übergriff hat seine seelischen Folgen“, schreibt der Verband der Familientherapeuten und Berater. Missbrauchsopfer würden aber keineswegs zwangsläufig eines Tages selber zu Tätern. Allerdings müssten Missbrauch und körperliche Gewalt möglichst frühzeitig gestoppt werden, damit Kinder und Jugendliche in ihrer psychischen, geistigen und körperlichen Entwicklung nicht erheblich geschädigt werden. An die Stelle der seelisch traumatisierenden Erlebnisse sollten „heilende Erfahrungen mit anderen Menschen" treten. Systemische Interventionsansätze hätten sich dabei in unterschiedlichen Arbeitsfeldern bewährt. Sozialpädagogische Familienhilfe oder Aufsuchende Familientherapie könnten außerdem helfen, innerfamiliärer Gewalt und innerfamiliären Übergriffen vorzubeugen.

Auch in Organisationen könnten Erfahrungen aus Systemischer Therapie und Beratung hilfreich sein, um Missbrauch zu verhindern. So sei bei nach außen abgeschotteten Organisationen bekannt, dass sie für heimliche oder verheimlichte Übergriffe anfällig seien. Hier sei der Kontakt zu externen Beratern hilfreich. Professionelle Beratung und Begleitung von Mitarbeiterteams in Schulen, Heimen oder anderen Organisationen könne dazu beitragen, dass sich „geschlossene Systeme“ zu „offenen Systemen“ entwickeln. In Schulen sollte beispielsweise regelmäßige Supervision oder Coaching für Lehrer eingerichtet werden. Es komme darauf an, Dialog und Konfliktfähigkeit zu stärken und das Bewusstsein wach zu halten, dass Übergriffe überall passieren könnten. „Immenser menschlicher Schaden wird abgewendet, wenn von Übergriffen Betroffene nicht mehr Jahre und Jahrzehnte mit ihrem Trauma alleine bleiben, sondern zeitnah Gehör und professionelle Unterstützung finden“, so die DGSF in ihrer Stellungnahme. Ganze Stellungnahme lesen

DGSF-Presseinformation v. 3.5.2010
Bernhard Schorn, DGSF
Christophstraße 31 | 50670 Köln
Fon (0221) 61 31 33 | Fax (0221) 9 77 21 94
E-Mail: schorn@dgsf.org

Kommentare geschlossen.