von Bernd Ufholz

Die Frage klingt schon zynisch. Braucht es erst ein dramatisches Ereignis – Amoklauf, Lehrermord, Selbstmord – damit über die Auswirkungen von Schule diskutiert wird? Offenbar schon.

Die Aufregung hält sich allerdings in gewissen Grenzen, wenn keine größere Zahl von Toten zu beklagen ist. Der Süddeutschen Zeitung vom 11. Februar 2011 ist es nur noch einen Artikel in den Landkreisnachrichten wert, dass sich ein Schüler aus einer 11. Klasse des Gymnasiums Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck am 9. Februar das Leben nahm, nachdem er in Englisch eine schlechte Note entgegengenommen hatte. Auch sonst lief es notenmäßig gar nicht gut bei ihm, berichteten die Mitschüler. … weiter

©Foto: Gerd Altmann / www.pixelio.de

Die Redaktion bittet um Beachtung des ergänzenden Kommentars von Bernd Ufholz zu seinem Aufsatz weiter unten auf dieser Seite!

1 Kommentar

  1. Lauter Missverständnisse!

    Ich kommentiere mich hier mal selbst, weil ich auf den Artikel einige erboste E-Mails erhalten habe.

    Kritik 1: Ähnlich wie die Bild-Zeitung würde ich Stimmungen nutzen, um meine Botschaften zu verbreiten. Ja genau – steht auch im Artikel!!! Es braucht schon immer größere Anlässe, damit über die Wirkungen von Schule auf die jungen Menschen überhaupt in einer breiteren Öffentlichkeit nachgedacht wird.

    Im Übrigen fiel die Kritik diesmal ziemlich verhalten aus. Ein Kritiker wurde gleich mal vom bayerischen KuMi angerufen und zur Ruhe gemahnt, ein anderer vom Rektor der Schule. Trauer verbietet es, das Ereignis zum Anlass für eine Schul-Debatte zu nehmen. Ein merkwürdiger Gedanke: Wer kritisiert, der vergeht sich gegen die Trauer der Angehörigen, Mitschüler etc.

    Kritik 2: Es würde ein MONOKAUSALER Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Suizid behauptet. Nein, das macht der Artikel nicht. Suizid ist ein sehr komplexes Verhalten und keiner einzelnen Ursache zuzuschreiben. ABER: Ist denn daraus ein Denkverbot abzuleiten, dass der ANTEIL von Schule und Leistungsgesellschaft daran NICHT thematisiert werden darf?

    Nicht alle Schulversager bringen sich um. Es ist schon auch eine Leistung des Suizidanten, sich die Urteile der Gesellschaft, der Eltern, der Schule zu eigen zu machen und gegen sich selbst zu wenden. Auch das steht im Artikel. Es ist keiner „SCHULD“, aber es gibt viele Beiträge zu einem verkehrten Denken, bei dem die Maßstäbe der Gesellschaft für Erfolg als Messlatte für den Wert der eigenen Person übernommen werden.