Mitteilung: Piratenpartei Deutschland

Mit dem Schuljahr 2011/2012 wird eine vertragliche Regelung wirksam, nach der die Länder den Schulbuchverlagen die Möglichkeit einräumen müssen, auf Schulrechnern Software zu installieren, die nach Plagiaten sucht. Weiter werden die Länder verpflichtet, disziplinarisch gegen Urheberrechtsverstöße von Lehrern vorzugehen. Die Piratenpartei kritisiert diesen Vertrauensbruch zwischen Land und Lehrerschaft und fordert eine Umstellung auf Lehrmaterialien unter freien Lizenzen.„Es ist ein Skandal, wenn sich die Länder hier von Verlagen vorschreiben lassen, wie sie mit ihren Bediensteten umgehen sollen“, kritisiert Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei. „Das ist ein offener Vertrauensbruch mit den Lehrerinnen und Lehrern. Schulleiter und Landesregierungen sind keine Hilfspolizisten der Verlegerlobby.“

Die Verlage werden ermächtigt, mithilfe eines Plagiatsscanners die Festplatten der Rechner von mindestens ein Prozent der Schulen jährlich durchsuchen zu lassen. Was bei einem vermeintlichen Fund auf der Festplatte geschieht, ist unklar: Was erfährt der Verlag und wie werden diese Daten übermittelt? Wer darf Daten löschen? Kann gar die komplette Festplatte beschlagnahmt werden? Welche disziplinar- und zivilrechtlichen Konsequenzen hat dies für betroffene Lehrkräfte?

Die Piratenpartei fordert eine generelle Verwendung von Lehrmitteln unter freien Lizenzen. Diese Lizenzen ermöglichen eine weitgehend freie Nutzung von Inhalten. „Ein großer Teil des Arbeitsmaterials wird ohnehin von den Lehrern selbst erstellt und mit den Kollegen geteilt“, ergänzt Nerz. „Gerade im Bildungsbereich dürfen wir es nicht zulassen, dass ein überkommenes Geschäftsmodell zu Lasten der Gesellschaft weiterbetrieben wird. Für Schulen und Universitäten muss die Nutzung von Werken im Sinne eines »Fair Use« grundsätzlich erlaubt sein.“

Die Regelung wurde im Rahmen des Gesamtvertrags zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG zwischen den Bundesländern, der VG Wort, der VG Musikedition und der Zentralstelle Fotokopieren an Schulen (ZFS) geschlossen. Darin verpflichten sich die Länder weiter dazu, für Kopien kleiner Teile von Büchern, Zeitschriften und sonstigen Texten und für Notenblätter von Musikstücken für die Jahre 2011 bis 2014 insgesamt 32,6 Mio. Euro zu zahlen. Diese Kosten sind eine Form von Bildungsgebühren und schränken den Zugang zu Bildung ein. Auch deshalb lehnt die Piratenpartei den Vertrag ab.

Pressemitteilung v. 31.10.2011
Piratenpartei Deutschlands
www.piratenpartei.de

Wer eine weitere Stellungnahme lesen will: siehe die Mitteilung der GEW zu diesem Thema

1 Kommentar

  1. Matthias Römer

    Diese Pressemitteilung zeigt eine erstaunliche Realitätsferne der Piraten. So kritikwürdig das Ausspähen von Schulrechnern ist, so falsch ist die Aussage, dass ein großer Teil des Arbeitsmaterials von den Lehrerinnen und Lehrern selbst entwickelt wird. Schulbücher sind ein unverzichtbarer Bestandteil in den meisten Unterrichtsfächern und keine Lehrerin und kein Lehrer wäre in der Lage, die dort gesammelten Materialien selbst zusammenzustellen.

    Im Übrigen reden wir beim Kopieren geistigen Eigentums von keiner Bagatelle sondern von einer Straftat, die faktisch Diebstahl ist. Das wird jeder verstehen, der z.B. ein Buch geschrieben hat oder eine CD produziert hat und weiß, welche Arbeit es bedeutet ein solches Medium qualitativ hochwertig herzustellen. Und dass Eigentümer ein Problem damit hat, wenn man ihm sein Eigentum ohne Gegenleistung wegnimmt, kann wohl jeder verstehen, der Eigentum besitzt.

    Die Piraten – so hehr ihre Ziele auch sein mögen – zeigen in dieser Frage einen erstaunlich unreflektierten Populismus. Eigentlich schade.