von Stephan Lippels, GEW München

In Bayern findet derzeit, beworben von den beiden Ministerien von Huber und Spaenle, eine Sammelaktion für Handys statt.

Insgesamt werden i. R. der Aktion ca. 10.000 Sammelboxen an ca. 7.000 Sammelstellen ausgegeben und zwar an

  • ca. 6.000 Schulen
  • ca. 180 Behörden des Freistaats Bayern
  • 25 Kreisfreie Städte und 75 Landkreisen, die gebeten wurden, die rd. 200 kreisangehörigen Gemeinden in die Sammlung mit einzubeziehen
  • ca. 30 Hochschulen bzw. Universitätskliniken
  • ca. 370 Krankenhäuser
  • ca. 50 Umweltpaktbetrieb (darunter Großunternehmen wie BMW)
  • ca. 50 weitere Einrichtungen.

Der geschätzte Rohstoffwert eines einzigen Handys liegt nach Angaben der Veranstalter dieser Aktion selbst zwischen 1,00-1,60 Euro bei einer Zahl von durchschnittlich einem geschätzten Schubladenhandy pro Einwohner. Entsprechendem Profit gegenüber steht, dass Geld- und Sachgewinne für die sammelnden Schulen in Höhe von 15.000 Euro ausgeschrieben sind. Die Summe der Preise entspricht also ca. zwei gesammelten Handys pro Schule.

Beim ministeriellen Werben für einen „Wettbewerb an den Schulen: ‚Welche Schule sammelt die meisten Handys, gemessen an der Schülerzahl?'“ ist von einem „Reinerlös“ die Rede, welcher an „schulische und andere Umweltprojekte“ gehen soll. Die Sammelaktion selbst zählt als ein solches Schul- und Umweltprojekt. Es fehlen Angaben, wie sich der Reinerlös berechnet und v.a. was die beteiligten Minister und Firmen bekommen.

Der personelle und finanzielle Aufwand an den Schulen ist recht beachtlich

Quellen zur weiteren Recherche bzw. Information:

Pressemitteilung zur Aktion
http://www.km.bayern.de/pressemitteilung/8084/nr-088-vom-24-04-2012.html

Aktion – Eigenwerbung
http://handy-clever-entsorgen.de/hintergrundinformation/doc/hintergrundinformationen.pdf

Mit der Sammlung betraut:
http://www.vereev.de/
http://www.take-e-way.de/

Mit der Ausführung der Aktion sind beauftragt:
http://www.teqport.com/
http://www.umicore.de/
http://www.arvato.com/de.html
Bei Arvato, einer 100%igen Bertelsmann-Tochter stellt sich nach zahlreichen Erfahrungen in Sachen Datenschutz noch die Frage, was mit Daten alter Chipkarten geschieht, falls diese bei der Sammlung mit abgegeben werden sollten.

Die Aktion wird – wohl in Erwartung gesteigerter Nachfrage – zusätzlich finanziell durch E-Plus, Telefonica, Telekom und Vodafone unterstützt.
 

1 Kommentar

  1. Lieber Kollege Lippels,
    ich kann diese Aktion nur begrüßen. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass Handys als wertvoller Rohstofflieferant recycled werden, und giftige Bestandteile nicht im Hausmüll landen. Dafür die Schüler zu sensibilisieren halte ich für ganz wichtig. (Siehe auch eine der letzten „Sendung mit der Maus“ ). Gleichzeitig sollte das aber auch dazu anregen, solche wertvollen Gebrauchsgegenstände lange zu nutzen und erst dann umweltgerecht entsorgen, auch das sollte man seinen Schülern erläutern.
    Leider ist es nun mal so, dass jede Aktion auch durch andere missbraucht wird und natürlich auf dem Recyclingmarkt, wie auf jedem anderen Geld verdient werden soll.
    S. Fiedler LfbA Merseburg