09. August 2012 · Kommentare deaktiviert für „Ich kann unter diesen Bedingungen die Schule nicht leiten“ · Kategorien: Standpunkte · Tags: , , ,

Das sagte Andrea Schöffel am 7. August 2012 in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung online. Andrea Schöffel ist (derzeit noch) Rektorin an einer bayerischen Grundschule. Im Interview heißt es weiter:

"Seit Jahren verschlechtern sich die Bedingungen an den bayerischen Grundschulen, sagt die Rektorin. Jetzt hat sie gekündigt, weil ihr nicht genügend Lehrer zugeteilt wurden." … Das ganze Interview in der Süddeutschen lesen

 

Bewegende Vorgänge! Auch wenn Bayern weit weg zu sein scheint von den Nabeln dieser Republik, wollen wir unsere LeserInnen über Andrea Schöffels Kündigung informieren. In anderen Bundesländern geht es im Prinzip nämlich durchaus vergleichbar zu. Es wird Zeit, dass wir anfangen, uns zu wehren. Andrea Schöffels Weg ist sicher keine übertragbare Form des Widerstands, aber sie hat ein Zeichen gesetzt und laut und deutlich NEIN gesagt.

 

Auswege-Autor Heinz Kreiselmeyer, langjähriger Fachlicher Leiter der Schulämter in der Stadt und im Landkreis Ansbach, äußerte sich nach dem Lesen des Interviews in der SZ spontan dazu:

Es ist zum Verzweifeln! Warum gelingt es nicht seit Jahrzehnten

a) die Klassenbildung des nächsten Schuljahres spätestens mit dem Ende des vorausgegangenen Schuljahres abzuschließen?
Gegebenenfalls ist eben ein Eingriff in den Prüfungsturnus vorzunehmen.

b) die Personalplanung professionell zu gestalten?
Seit den 80-igern laboriert man in höchst unprofessioneller Weise an EDV-Systemen, die bis zum heutigen Tag nicht kompatibel sind.
Viele Insider schütteln nur noch den Kopf. Wo ist das EDV-system, das für alle Verwaltungsebenen steht?

c) Schule so zu organisieren, dass Schulprogramme auch kontinuierlich weitergeführt werden können?

und und und ……

… und schrieb dann an Andrea Schöffel einen Brief:

Sehr geehrte Frau Schöffel,

bewundernswert Ihr Mut, konsequent durch Ihren Rücktritt zu bekunden, wie desaströs es um unsere Schule bestellt ist.

Ich hoffe, dass Sie eine weitere berufliche Perspektive haben. Was ich von Ihnen im SZ-Interview las, kann ich nur bestätigen.

Während meiner gesamten Dienstzeit, 38 Jahre im bayerischen Schuldienst, habe ich es nicht anders erlebt. Und dies in sehr unterschiedlichen Funktionen: als Lehrer, als Seminarleiter, als Seminarbeauftragter an der Regierung von Mittelfranken (1980 – 1990), als Fachlicher Leiter der Schulämter im Landkreis und in der Stadt Ansbach. Als Fachlicher Leiter war ich von 1990 – 2006 tätig. Seit 2006 bin ich im vorzeitigen Ruhestand.

Die von Ihnen geschilderte Problematik ereilte uns Jahr für Jahr: Die Stunden fehlten. Die Lehrer fehlten. Diskontinuität allerorten: Schulprogramme mussten von Jahr zu Jahr geändert werden, da die personelle Kontinuität fehlte. Viele Projekte wurden nach kurzer Zeit zu Projektruinen. Idealismus wurde überstrapaziert. Schließlich schämte ich mich, "meine" Schulleiter Jahr für Jahr zu ermutigen Ihre Schule weiterzuentwickeln, da ich nicht garantieren konnte, dass viel versprechende Innovationen weitergeführt werden können. Ein Trauerspiel! Ihre zentrale Aussage, wonach Sie Ihre Schule nicht mehr so leiten können, dass es Kindern, Lehrern und Ihnen dabei gut geht, sollten sich möglichst viele Menschen, die mit Schule zu tun haben, stellen.

Wer wie Sie diese Entscheidung trifft, achtet sich selber und stärkt sich letztendlich und andere und bewahrt sich vor lebenslanger Nivellierung und Entpersönlichung. Respekt!

Möge Ihre Entscheidung vielen, vielen Menschen in unserem Land Anlass sein, gründlich nachzudenken.
Möge Ihre Entscheidung den Menschen Mut machen, auf die Missstände an unseren Schulen öffentlich hinzuweisen.
Möge Ihre Entscheidung den verantwortlichen Schulpolitikern erkennen lassen, wie unverantwortlich sie mit unserem höchsten Gut, unseren Kindern, umgehen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, großes Standvermögen und eine mutige und hoffnungsvolle Zuversicht.

Herzliche Grüße
Heinz Kreiselmeyer

P.S.: Ganz herzliche Grüße auch an Ihre engagierten Lehrkräfte und insbesondere an Ihre Verwaltungsangestellte. Ihnen , den VAs,  spielt man ja ganz übel mit.

Wer sich mit dem bayerischen Bildungsdesaster vertiefter beschäftigen will, kann dies auf den Seiten der GEW Ansbach tun.Brandbrief der Schulräte

04. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Initiative käfigfreie Mensa · Kategorien: mens sana in corpore sano · Tags: ,

Die Albert Schweitzer Stiftung berichtete:

75% aller Mensen käfigfrei

Ein schöner Zwischenerfolg für unsere Initiative »Käfigfreie Mensa«: Mehr als 75% aller deutschen Studentenwerke verwenden inzwischen keine Käfigeier mehr (auch nicht in flüssiger Form oder als Eipulver). Eine Liste der käfigfreien Studierendenwerke finden Sie hier. Besonders freuen wir uns darüber, dass die konstruktive Zusammenarbeit mit den Studierendenwerken oft nicht beim Thema Käfigeier aufhört. Häufig können wir auch dazu beitragen, das fleischfreie und vegane Angebot auszubauen. … Den ganzen Artikel lesen

04. August 2012 · Kommentare deaktiviert für War das die Entzauberung der Piraten? · Kategorien: Peripherie · Tags: ,

gsf – Am 2.8.2012 fand in Berlin unter der Leitung von Jakob Augstein (Herausgeber der Wochenzeitung "Freitag") ein Gespräch zwischen Katja Kipping (eine der beiden neuen Vorsitzenden der Linkspartei) und Bernd Schlömer (Vorsitzender der Piraten) statt.

Auch wenn der Findungsprozess der Piraten noch voll im Gange ist, zeichneten sich Tendenzen ab. Bernd Schlömer vertritt inhaltlich natürlich auf keinen Fall den linkslibertären Flügel der Piraten, sondern eher den (viertellinks)liberalen Flügel, und ob die Piraten mit ihm an der Spitze neue Politikformen und Inhalte präsentieren werden, lässt sich nach diesem Gespräch nicht klar definieren, weil Schlömer selten Farbe bekannte und über ein bisschen "Smartphone-Gedöns", ein paar Bürgerrechtsforderungen und Liquid Democracy eigentlich nicht hinauskam.

Er scheint aber den Mehrheitswillen der Piraten zu vertreten, sonst wäre er ja nicht gewählt worden, und somit sind große Änderungen bei den Piraten derzeit (?) eher nicht nicht zu erwarten!? Den Machenschaften des Finanzkapitals ist damit kaum beizukommen.

Katja Kipping stellte einige wichtige, grundlegende Fragen an ihn. Inwiefern sie sich in ihrer Partei durchsetzen kann, bleibt ebenso abzuwarten.  Die großen Erkenntnisse, weder über die Piraten, noch über die LINKE,  konnten nicht gewonnen werden. Dennoch lohnt es sich auf jeden Fall, der Diskussion beizuwohnen.

Direktlink: http://www.youtube.com/watch?v=PSCk_9qDiy4

03. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Cyberbullying: Jedes zweite Opfer leidet unter der Verbreitung peinlicher Fotos und Videos · Kategorien: Daten und Fakten · Tags: , , ,

Forscher der Universität Bielefeld haben Schülerinnen und Schüler zu Übergriffen via Internet und Handy befragt

Mitteilung: Universität Bielefeld

Peinliche Privatfotos und Videos, die im Internet kursieren: Forscherinnen und Forscher der Universität Bielefeld haben herausgefunden, dass jugendliche Opfer von Cyberbullying oder Cybermobbing besonders darunter leiden, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler solches Bildmaterial verbreiten, um sie lächerlich zu machen.

Laut einer am 19. Juli veröffentlichten Online-Studie wird dieses Verhalten von etwa der Hälfte der Opfer als stark oder sehr stark belastend empfunden. … weiter

Quelle: PM v. 19.7.2012 – Uni Bielefeld/idw

Direktdownload der Studie

Mitteilung: Institut zur Zukunft der Arbeit

Beförderungen am Arbeitsplatz schaden auf Dauer der psychischen Verfassung, ohne positive Auswirkungen auf körperliche Gesundheit und Lebenszufriedenheit zu entfalten. Das ist das Ergebnis einer Studie australischer Wissenschaftler, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. Trotz dauerhaften Einkommenssteigerungen und höherem sozialen Status überwiegen langfristig die negativen Effekte von vermehrtem Stress und längeren Arbeitszeiten.

Die Forscher nutzten einen umfangreichen Datensatz mit detaillierten Befragungsdaten zu Arbeitsplatzaspekten, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. So konnten sie rund 2.000 Beförderungen von Vollzeitbeschäftigten im Alter von 18 bis 64 Jahren analysieren und die Entwicklung der Betroffenen über einen Zeitraum von zehn Jahren verfolgen.

Unmittelbar nach einer Beförderung gaben die Befragten im Durchschnitt an, mehr Verantwortung zu tragen, einen sichereren Arbeitsplatz zu haben und fairer bezahlt zu werden. Zugleich berichteten sie von längeren Arbeitszeiten und gestiegenem Stress. Spätestens nach drei Jahren war die Karriere-Euphorie verflogen: Trotz mehr Geld und höherem Status gingen Jobzufriedenheit, subjektive Arbeitsplatzsicherheit und das Gefühl, angemessen bezahlt zu werden, wieder auf das Niveau vor der Beförderung zurück. Körperliche Gesundheit und allgemeine Lebenszufriedenheit blieben auf lange Sicht weitgehend unverändert. Die psychische Gesundheit litt jedoch dauerhaft unter der gestiegenen beruflichen Belastung, die verbreitet zu Nervosität und Unruhezuständen führte.

Die englischsprachige Studie ist von der IZA-Homepage abrufbar:

David Johnston, Wang-Sheng Lee:
Extra Status and Extra Stress: Are Promotions Good for Us?
IZA Discussion Paper No. 6675
http://ftp.iza.org/dp6675.pdf

Pressemitteilung v. 25.7.2012
Mark Fallak
Institut zur Zukunft der Arbeit
Quelle: www.idw-online.de

01. August 2012 · Kommentare deaktiviert für Gemeinsam in den Untergang · Kategorien: Peripherie · Tags: , , , ,

Warum der Kapitalismus sich nur zusammen mit der institutionellen Linken aus der Geschichte verabschieden kann!

von Juan P. Sanchez Brakebusch

Die institutionelle Linke ist nie zu den Kernwidersprüchen der kapitalistischen Moderne vorgestoßen. Das liegt daran, dass sie ideologisch und kulturell nicht in der Lage ist, die Geschichte der Menschheit als permanenten Fortschritt zu verstehen. Der dialektische Materialismus, der vermeintlich historische Brüche prognostiziert, bleibt ohne kulturelle, anthropologische und soziologische Erkenntniszusammenhänge eine theoretische Todgeburt.  … weiter

 

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