16. August 2013 · Kommentare deaktiviert für Den Tod annehmen – die GwG nimmt Abschied von Reinhard Tausch · Kategorien: Standpunkte · Tags:

Reinhard Tausch hat die klientenzentrierte Psychotherapie (n. Carl R. Rogers) in Deutschland bekannt gemacht. Für unzählige Erziehungsschaffende, Lehrkräfte, Berater- und TherapeutInnen war er eine Art deutscher "spiritus rector" des personzentrierten Ansatzes. Er starb am 8.8.2013. Wir unterbrechen aus diesem Anlass unsere Sommerpause und drucken die Stellungnahme der GwG ab:

Reinhard Tausch (*06.11.1921), der Wegbereiter der Gesprächspsychotherapie in Deutschland, ist am 08. August 2013 im Alter von 91 Jahren verstorben. Er war Mitbegründer der GwG und hat den Verband durch seine Arbeit maßgeblich geprägt.

Jahrzehntelang hat sich der erfahrene Psychotherapeut in Theorie und Praxis dafür eingesetzt, Menschen in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung zu geben. Stark beeinflusst wurde er dabei von Carl Rogers. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anne-Marie Tausch machte er den Personzentrierten Ansatz in den 60er Jahren auch in Deutschland bekannt. Er forschte und lehrte als Professor an den Universitäten Köln und Hamburg, gab Seminare, hielt Vorträge, war in Rundfunk-und Fernsehsendungen präsent, schrieb zahlreiche Artikel und Bücher (u. a. „Hilfen bei Stress und Belastung“ und „Sanftes Sterben“) und setzte sich auch ehrenamtlich für Menschen ein, zum Beispiel durch seine Tätigkeit in der Hospizbewegung. Neben seinen Arbeiten zur Pädagogischen Psychologie befasste er sich schwerpunktmäßig mit den Auswirkungen von Stress und Belastungen. Auf seine Initiative hin wurde die erste universitäre psychotherapeutische Beratungsstelle an einem Psychologischen Institut eingerichtet. Für seine Verdienste in der Angewandten Psychologie erhielt er 1991 die Hugo-Münsterberg-Medaille durch den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), 2002 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

„Wenn eine belastende Situation kommt, muss man offen sein, sich einlassen und die Situation annehmen.“ Diese Gelassenheit und Akzeptanz, die Reinhard Tausch noch 2011 in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung äußerte, hat ihm – so darf man vermuten – auch im Umgang mit dem eigenen Tod geholfen. „Reinhard Tausch  bleibt uns immer als einer der einflussreichsten Vertreter des Personzentrierten Ansatzes in Erinnerung“, sagt GwG-Bundesgeschäftsführer Michael Barg. „Mit ihm verliert der Verband einen klugen, engagierten, menschenliebenden Freund und Kollegen.“

PM v. 16.8.2013
Michael Barg
Bundesgeschäftsführer
GwG – Gesellschaft für personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.
www.gwg-ev.org

Wer mehr über und von Reinhard Tausch lesen und sehen will:

"Ich nehme das Leben, wie es kommt". Psychotherapeut Tausch im Interview in der Stuttgarter Zeitung (5 Teile)

Verzeihen: Die doppelte Wohltat. Ein Text von R. Tausch aus der "Psychologie heute" v. April 1993

Die wichtigsten Veröffentlichungen:

Tausch, R.: Hilfen bei Stress und Belastung. Was wir für unsere Gesundheit tun können. Rowohlt Tb.

Tausch, Reinhard und Tausch, Anne-Marie: Gesprächspsychotherapie. Hilfreiche Gruppen- und Einzelgespräche in Psychotherapie und alltäglichem Leben. Hogrefe-Verlag. 9. Auflage!

Tausch, Reinhard und Tausch, Anne-Marie: Wege zu uns selbst. Menschen suchen, sich selbst zu verstehen und Anderen offener zu begegnen. Rowohlt.

Tausch, Reinhard und Tausch, Anne-Marie: Erziehungspsychologie: Begegnung von Person zu Person. Hogrefe-Verlag. 11. Auflage!

 

 


 

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