Wer verfolgt uns im Netz? Auf den Spuren von Tracker-Cookies

Die Rolle von Cookies und wie wir sie wenigstens zum Teil loswerden können

von Günther Schmidt-Falck

Seit Ende Oktober gibt es für den Internet-Browser Firefox von Mozilla ein Addon, das unsere Surfspuren im Netz visualisiert: lightbeam

Wenn wir im Netz surfen und bestimmte Websites ansteuern, werden auf unserem Rechner "Cookies" abgelegt. Über diese Cookies werden dann die "Absender" der Cookies über unser Surfverhalten informiert.  Im Schlepptau hängen zusätzlich noch sogenannte Drittanbieter (Tracker), die ebenfalls über ihre Tracking-Cookies Marker auf unserem Rechner hinterlassen.

Diese ganzen Verbindungen zeigt das Addon "Lightbeam" entweder grafisch oder als Liste an. Nach der Installation des Addons wird in der Statusbar des Browsers rechts unten ein Icon eingeblendet ("Show Lightbeam"). Dort kann man sich die Vernetzungen und Spuren, die man beim Surfen hinterlassen hat per Grafik oder per Liste anzeigen und die Uhrzeit einblenden lassen. Erschreckend, wer da als Trittbrettfahrer im Netz sich an unsere Socken hängt, wenn wir in Google nach Erklärungen für einen Begriff suchen.

Eine Installation des Addons sollte sich niemand entgehen lassen. Im Firefox im Menü den Befehl "Addons" anklicken, dann "lightbeam" suchen und installieren oder hier downloaden.

Da kommt natürlich die Frage auf, ob man das Hinterlassen von Cookies nicht grundsätzlich unterbinden könnte?

Im Firefox könnte man z.B. unter Menü Bearbeiten/Einstellungen/Datenschutz den Befehl "Cookies akzeptieren" einfach wegklicken. Man wird dann allerdings wenig Freude haben, denn viele Seiten lassen sich entweder gar nicht mehr aufrufen oder nur sehr "entstellt". Webseitenanbieter wollen ihre Cookies auf unserem Rechner unterbringen, um z.B. unser Kaufverhalten ausszuspähen und Daten eventuell auch weiterzugeben.

Was tun?

Die Aussage einiger SurferInnen, "ich habe nichts zu verbergen", ist natürlich ziemlich kurzsichtig und hat was Trotzig-Pubertäres. Ob jemand was zu verbergen hat und wie dieses Wissen zu bewerten ist, entscheiden Google, Tracker und Co. Der "normale" Arbeitnehmer, der sich in der Online-Apotheke regelmäßig ein Schmerzmittel kauft, könnte sich irgendwann mal wundern, wenn ihm dieser Vorgang z.B. bei einer Jobsuche um die Ohren gehauen wird. Vorsicht ist angesagt! Vor allem bei gesundheitlichen Fragen.

Hier einige Alternativen zum Entfernen der Cookies, die ohne viel Aufwand zu machen sind:

  1. Nach Möglichkeit sichere Browser zu verwenden (… solche, die keine Dossiers über uns anlegen). Auswege hat gute Erfahrungen mit Opera, Firefox, Midori und Qupzilla gemacht. Alle laufen unter Linux und Windows und – außer Midori – auch unter MacOS.
     
  2. Nach jedem Surfprozess alle Cookies löschen. Das lässt sich z.B. beim Firefox im Menü Bearbeiten/Einstellungen/Datenschutz über den Befehl "Behalten bis Firefox geschlossen wird" einstellen. In Opera klappt das über den Menüeintrag Extras/Einstellungen/Erweitert/Cookies: Neue Cookies beim Beenden von Opera löschen. Sinn macht auch in Opera die Einstellung "Nur Cookies der Site annehmen, die ich besuche". Im Firefox lautet der Befehl auf der Einstellungsseite für den Datenschutz: "Cookies von Drittanbieren akzeptieren nie"
     
  3. Wer sofort nach dem Besuch einer Seite die Cookies löschen will, kann bei Opera mit dem Menübefehl "Extras/Internetspuren löschen" alle Cookies entfernen. Damit werden aber alle geeöffneten Seiten geschlossen. Im Firefox geht das über den Menübefehl Chronik/Neueste Chronik löschen.
     
  4. Leichter funktioniert das über ein sehr empfehlenswertes Firefox-Addon: Self-Destructing Cookies. Sobald der Tab im Firefox geschlossen wird, werden die entsprechenden Cookies gelöscht. Installation im Firefox: Menü Extras/Addons/Addons suchen/ "Self-Destructing Cookies" eintippen/Suchen und dann installieren. Das Addon hinterlässt in der Statusleiste des Firefox rechts unten ein Icon. Die Voreinstellung "after you close its tabs" heißt, dass alle Cookies gelöscht werden, sobald der Tab mit der aufgerufenen Seite entfernt wird.
    In Opera gibt es ein Addon mit Namen "Ghostery". In ihm kann man anklicken, welche Tracker-Datensauger geblockt werden sollen. Funktioniert gut, ist aber mit Arbeit verbunden und aufwändiger als das Firefox Addon in der Einstellung.
     
  5. Auf jeden Fall sollte man alternative Suchmaschinen verwenden, als da wären:

    DuckDuckGo.com (nutzt im Hintergrund die BING-Suchmaschine, werbefrei, übermittelt keine Daten an die gesuchte Webseite,  keine Suchanfragen, keine IP-Übermittlung, keine Cookies, keine Speicherung der Suchverläufe. Sehr empfehlenswert. Wer zwischenrein mal mit Google suchen will, gibt bei DuckDuckGo vor dem Suchbegriff ein " !g " ein.)

    ixquick com (nutzt zwar Google und andere Suchmaschinen, übermittelt aber keine Daten an die gesuchte Webseite. Man könnte sagen: Googlen ohne Spuren)

    startpage.com (gleicher Hersteller wie ixquick, nach eigenen Aussagen kein Unterschied zu ixquick)

Ob man mit dem Löschen von Cookies oder mit dem Benutzen alternativer Suchmaschinen noch lange seine Ruhe haben wird, sei allerdings dahingestellt. Die Tracker-Bastler entwickeln Lösungen, mit deren Hilfe man ein Profil eines Nutzers erstellen kann, ohne einen einzigen Cookie auf der heimischen Festplatte zu verstecken. Untersucht und gespeichert werden in Zukunft und auch jetzt schon Einstellungen von Farben, Schriftarten, Hintergründe des Browser, das Betriebssystem u.a.mehr. Damit sind wir jederzeit den Schnüfflern ausgeliefert. Der User wird identifizierbar – auch ohne Cookies. Man kann nur hoffen, dass der OpenSource-Szene rechtzeitig etwas einfällt, um eine wirksame Waffe gegen diesen "Missbrauch" in der Hand zu haben.

Wer mehr über den Datenschutz und anonymes Surfen im Netz erfahren will, findet bei trend-blogger.de ausführliche Antworten:

So schützt man seine Daten – Teil 1: Smartphones

So schützt man seine Daten – Teil 2: Anonym im Internet

Sind private Daten noch sicher im Internet?