13. Januar 2014 · Kommentare deaktiviert für Kann denn Liebe Sünde sein? Eine campact-Aktion gegen eine homophobe Petition · Kategorien: Termine und Aktionen

gsf – Im Netz tobt eine Debatte samt Petition und Gegenpetition um Homosexualität als Thema im Unterricht in Baden-Württemberg. Der konservative Religionslehrer und ehemalige Referatsleiter im Realschullehrerverband von BaWü, Gabriel Stängle, hat am 28.11.2013 eine Online-Petition  (aktiv bis 27.01.2014) gestartet, die sich gegen eine Erziehung zur sexuellen Vielfalt im Bildungsplan 2015 in BaWü ausspricht.
Bastian Burger hat darauf am 7.1.2014 eine Gegenpetition ins Leben gerufen (aktiv bis 06.03.2014 – siehe unten). Und seit Neuestem trommelt auch campact.de mit der Bundes-GEW als Kampagnenpartner zu einer Kampagne gegen die homophobe Petition von Gabriel Stängle.


Hier finden sich Infos zum Thema, um den Überblick nicht zu verlieren und der Link zur Gegenpetition von Bastian Burger:
Artikel von Jürgen Amendt (13.01.2014, Neues Deutschland) zur Originalpetition von Realschullehrer Stängle: Bibeltreuer. Gabriel Stängle stört sich am Lernziel »sexuelle Vielfalt«

Hier geht's zur Originalpetition des Religionslehrers Stängle

Artikel auf RP-Online (12.1.2014): 45.000 Internetnutzer wenden sich gegen Online-Petition

Artikel in der Stuttgarter Zeitung am 14.1.2014  zu Gabriel Stängle: Initiator der Petition gibt Posten auf

 ► bleistiftHier geht's zur Gegenpetition an den Landtag von BaWü von Bastian Burger (Erklärung siehe Artikel auf RP-Online). Wer den Bildungsplan in BaWü unterstützen will, sollte auch Bastian Burgers Petition unterschreiben.

Stellungnahme der GEW Baden-Württemberg mit der Pressemitteilung 52/13: 30.12.13: Schule ist kein Ort für Fundamentalisten. GEW: Petition zum Bildungsplan ist diskriminierend


Hier geht es zur "ergänzenden" Kampagne von campact.de:

campact.de schrieb am 12.1.2014 und fordert zum Mitunterzeichen auf – Kampagnenpartner ist die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEWGEW)

Eine bundesweite, homophobe Petition will verhindern, dass Schüler/innen in Baden-Württemberg Toleranz für die Vielfalt von Lebens- und Liebesformen lernen. Rechte Kreise trommeln für diese mit Erfolg: Schon 100.000 Menschen haben unterschrieben. Das können wir so nicht stehen lassen!

In den letzten Tagen sorgt eine bundesweite Online-Petition für Schlagzeilen: Ein Realschullehrer diffamiert darin den neuen Bildungsplan von Baden-Württemberg, der bei Schüler/innen Verständnis und Akzeptanz von schwulen und lesbischen Lebensentwürfen fördern soll. Schon fast 100.000 Menschen haben unterschrieben. Der rechte Rand trommelt für die Petition. Für sie ist Homosexualität nicht ein Menschenrecht, sondern ein auszumerzendes Übel.

Kurz nach dem mutigen Coming-Out des Fußballprofis Thomas Hitzlsperger wird klar, wie viel Feindseligkeit Menschen wie er noch immer ertragen müssen. Jetzt wollen wir mit einem Eil-Appell gegenhalten und die wegweisenden Pläne der baden-württembergischen Landesregierung unterstützen. Sobald wir 100.000 Unterschriften zusammen haben, werden wir unseren Appell unter dem Motto „Vielfalt gewinnt!“ in der Stuttgarter Zeitung als Anzeige veröffentlichen. Damit die hässliche Fratze der Homophobie nicht wieder hoffähig wird.

Unterschreiben Sie hier für Vielfalt und Toleranz an unseren Schulen!

„Du Schwuchtel“, „Schwule Sau!“, „Du bist pervers!“, „Schwuler Pass!“ – auf unseren Schulhöfen sind solche Aussprüche allgegenwärtig. Sie sind es, die bei vielen Jugendlichen mit homo-, trans- und intersexuellen Gefühlen Angst vor Diskriminierung erzeugen. Nach einer europaweiten Umfrage der EU-Grundrechteagentur unter mehr als 90.000 Befragten haben Zweidrittel der homo-, trans- und intersexuellen Menschen in der Schule ihre sexuelle Ausrichtung verheimlicht. Mindestens 60 Prozent von ihnen waren dort mit abwertenden Kommentaren konfrontiert.

„Wenn Jugendliche erleben müssen, dass ihre sexuelle Orientierung nicht geduldet wird, erleben wir immer wieder massive psychische Probleme, massiven Leistungsabfall und damit verbundene Schwierigkeiten im weiteren Berufsleben“, schreibt die Bundesintegrationsbeauftragte Christine Lüders in der Süddeutschen Zeitung von gestern. Dies zu verhindern und zugleich bei allen Schüler/innen Akzeptanz und Toleranz für eine Vielfalt an Lebensentwürfen zu schaffen – darum geht es dem Bildungsplan Baden-Württembergs. Und eben nicht um „eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung“, wie es die Petition „Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“ behauptet.

Was als Einzel-Aktion eines Lehrers begann, hat Wellen geschlagen: Die in Baden-Württemberg sehr konservativ ausgerichteten Landeskirchen kritisieren den neuen Bildungsplan. Und der FDP-Fraktionschef im Landtag, Hans-Ulrich Rülke erklärt, dass er andere Lebensformen keineswegs gleichwertig zur klassischen Familie sieht – sehr zum Entsetzen liberaler Parteimitglieder. Noch schlimmer: Rechte und rassistische Kreise wie die Plattform „Politically Incorrect“ springen auf und wittern Morgenluft.

Für homosexuelle Jugendliche bedeutet das zusätzlichen Druck und Mobbing in dem ohnehin schon oft homophoben Klima an Schulen. Eine solche Schule wollen wir nicht. Wir stehen an der Seite von Lehrer/innen, Bildungspolitiker/innen und Schüler/innen, die gemeinsam für eine offene Schule streiten, in der Toleranz und Vielfalt gelehrt und vorgelebt werden.

bleistift Unterzeichnen Sie unseren Appell!

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