20. Juli 2014 · 1 Kommentar · Kategorien: Standpunkte · Tags: ,

Eine Lehrkraft erlebt nach vielen Jahren der aktiven und engagierten Arbeit das Aus. Burnout. Mit 58. 3 Wochen vor den Sommerferien im Jahr 2013.

In zwei Briefen an das Kollegium seiner Schule und an Freunde und Bekannte lässt uns unser Kollege teilhaben an seinem Blick auf die Hintergründe seines „Ausfalles“ und auf seine Schlussfolgerungen. Beide Briefe geben Persönliches preis, deswegen möchte der Autor anonym bleiben. Teil 2: Konsequenzen!

Liebe KollegInnen, 

meine Auszeit konfrontierte mich mit meinen zentralen Lebensthemen. Ich habe in den vergangenen Monaten Zeit gefunden und Unterstützung bekommen, mich in meinem Lebenslauf neu zu orientieren. Dafür bin ich dankbar. … weiter

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1 Kommentar

  1. Franz Anger

    Marktkonforme Schule

    Weil der Kollege Schulleiter in einem Schulsystem arbeitet, „in dem Kinder und Jugendliche über ständiges Bewerten und Beurteilen sozialisiert werden, um zu funktionieren“, erleidet er ein Burnout. Nachdem der Kollege die Zurichtungsfunktion des herrschenden Schulsystems als Ursache für seinen Erschöpfungszustand in einem Brief dargelegt hat, der hier am 7. Juni 2014 veröffentlicht wurde, verabschiedet er sich nun von den pädagogischen „Glaubenssätzen“, die der Grund für die „Abwehrhaltung“ sind, die er im Umgang mit seinen Schülern ständig erfahren muss. „Dass Noten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern könnten“, ist der zentrale Glaubenssatz, von dem der Kollege Abschied nimmt. Stattdessen will er sich künftig bemühen, den Schülerinnen und Schülern „Raum zu geben, damit sie an ihren individuellen Interessen und Bedürfnissen arbeiten können“.

    Das notenfreie Engagement des Kollegen, das eine vielseitige Bildung der Kinder und Jugendlichen anzustreben scheint, könnte allerdings zu einem weiteren Burnout führen. Denn die Notengebung ist ein wirkmächtiges Instrument, mittels dessen das zentrale Lehrziel, das der Staatsapparat den hiesigen Lehranstalten verordnet hat, realisiert werden soll:

    Die Schülerinnen und Schüler sollen so zugerichtet und selektiert werden, dass sie in den qualitativ verschiedenen Berufen der marktwirtschaftlichen Arbeitswelt als betriebswirtschaftliches Humankapital effizient vernutzt werden können, um die Unternehmergewinne zu maximieren.