Bemerkungen zum grassierenden Rassismus

von Götz Eisenberg

Randnotizen.gif4,7 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sind Ausländerinnen und Ausländer. Den Anteil der Muslime an der Bevölkerung Dresdens beträgt 0,4 Prozent. Warum sind dort die anti-islamischen, ausländerfeindlichen und rechtsextremen Demonstrationen am stärksten? … weiter


logo-text-file  Götz Eisenberg schreibt regelmäßig im Magazin Auswege.

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1 Kommentar

  1. Wer sind die Anhänger von Perida?

    Was treibt Menschen um, sich unter dem Banner eines Aufrufs der „Europäischen Patrioten gegen eine Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) zu versammeln? Da stimmt schon die Begrifflichkeit nicht: Ein Patriot will ein Vaterlandsfreund sein. Dem Mutter- oder Vaterland steht unser Grundgesetz vor, das einen sozialen Rechtsstaat beschreibt. Also auch die Integration von Ausgestoßenen. Das Wort Patriot kommt aus dem Griechischen, es gibt es auch im Lateinischen (patriota=der Landmann) und im Französischen (Mitbürger). Jedenfalls ist der Ursprung des Begriffs das Griechische „patriotes“, damit benennen die Athener den Landsmann und Mitbürger. Er soll vor Ort geboren sein. Socrates begann seine Rede mit der Wendung „Bürger von Athen“, um wortreich zu verkünden, dass er nichts weiß. Seit dem 17. Jahrhundert verwendet man den Begriff mit „heimisch“ oder „vaterländisch“ als Bedeutungskern.

    Die Aufrufe der Pegida-Bewegung verstehen sich als Trendsetter des Rechtspopulismus, der in Europa wie in den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark Großbritannien oder Italien um sich greift.
    Getragen werden die Verlautbarungen dieser antiparlamentarischen Sekte durch eine Sehnsucht nach Werten wie Sicherheit, Disziplin und Leistungswillen, als gäbe es sie in den erfolgreichsten OECD-Staaten nicht.

    Gewachsen aus dem künstlich erzeugten Gefühl der Selbstgerechtigkeit lässt man sich von unbegründeten Überfremdungsängsten beherrschen. Leitstern ist die Angst vor den wirklich unscheinbaren Spuren eine gedachten „Fremden“, das man nicht versteht und auch nicht verstehen will. Die dort mitmarschieren, leben das Gefühl sozialer Bedeutungslosigkeit aus, wollen sich abgrenzen von denen, die sie nicht kennen. Bezeichnenderweise ist „Pegida“ dort am stärksten, wo die wenigsten Einwanderer leben.

    Doch selbst sind sie nicht bereit, sich in ihrer Region, bei Verbänden, Parteien oder Gewerkschaften in die Pflicht nehmen zu lassen. Stattdessen reihen sie sich ein in die Masse derer, die durch das Tal der Ahnungslosen schreiten und gebrauchen Parolen wie „Wir sind das Volk“, die ihre Entfremdung vom Denken eines politisch liberalen, parlamentarischen Rechtsstaat deutlich werden lässt.

    Heinz Bude, Macrosoziologe der Universität Kassel nennt sie „extreme Mitte“, die durch Einflüsterer aus Internet-Netzwerken in eine „Panik des Mittelstandes“ rutschen, genährt von Ängsten, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Entstanden ist in diesen Kreisen eine Stimmungslage, die das Gemeinsame verleugnet und denen, die sich unter Mühsal und Entbehrung wirklich leiden, die helfende Hand verweigert.

    Natürlich gibt es eine Gegenbewegung, die ihre Kritik an den Panikmachern in die Öffentlichkeit trägt. Sie demonstrieren beharrlich und in großer Zahl auch in Dresden. Doch es bedarf weiter der argumentativen Auseinandersetzung..

    Jeder Mitbürger (Patriot) lebt in einem sozialen Rechtsstaat, dessen Prinzipien Ausgleich, Hilfe für Mitleidende, Rechtssicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Einfühlungsvermögen anzustreben sind und nicht Ausgrenzung und das Schüren irrationaler Ängste gegen „die Anderen“. Einer, der Mutter-oder Vaterlandsliebe in den Vordergrund stellt, verwendet den Begriff „Liebe“, der Träger des Wortes „Nächstenliebe“ ist.

    Wir verdanken unsere Schrift den Sumerern, die Mathematik den Indern und Arabern, den Kaffee den Türken, den Tee den Chinesen, mit der Völkerwanderung kam der Pflug mit den Mongolen aus Asien. Wer vor einer Überfremdung warnt, vergisst, dass gerade Deutschland in der Mitte Europas seinen wirtschaftlichen Welterfolg der Toleranz und der Bereitschaft, von anderen zu lernen, verdankt. Dumpfe Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung und Intoleranz sind immer der Garant für einen wirtschaftlichen und menschlichen Niedergang. Ihr Fluch sind Unfreiheit, politische Intoleranz, Dogmatismus und Fundamentalismus.

    Es gibt so viele Dinge, über man sich aufregen kann: Armut bei uns (Wie beschämend ist es, dass wir noch Armenküchen brauchen?), Jugendarbeitslosigkeit rund ums Mittelmeer, Abbau der Allgemeinbildung,
    wenig Demokratie in den Betrieben usw. Stattdessen lassen sich Mitbürger von Dumpfbacken instrumentalisieren, die Phantome als Gefahr beschreiben die Louis de Funes „Phantomas“ ähneln. Geht´s noch? Frohes Neues Jahr! Gruß, Hasso Rosenthal