von Götz Eisenberg

„Es gibt die Ungeheuer, aber sie sind zu wenig,
als dass sie wirklich gefährlich werden könnten.
Wer gefährlicher ist, das sind die normalen Menschen.“
Primo Levi

Solange die wöchentlichen Pegida-Aufmärsche stattfinden, müssen wir dazu Stellung beziehen. Das Verheerendste an der gegenwärtigen Entwicklung ist, dass sich im Schlagschatten von Pegida und weit über diese hinaus eine Diskussion entwickelt, die eine Definition sozialer Zugehörigkeit vornimmt, die festlegt, wer „zu uns gehört“ und wer nicht. Die Lage derer, die aus dem eigenen sozialen und moralischen Bezugssystems ausgeschlossen werden, ist prekär. … weiter

1 Kommentar

  1. Ich habe an der Zielrichtung des Artikels nichts auszusetzen, stimme tatsächlich
    größtenteils überein. Mich erstaunt allerdings der Versuch des Autors, sich mit
    Verweis auf die westdeutsche Nachkriegsgeschichte einem – zumindest was Pegida
    betrifft – ostdeutschen Phänomen zu nähern.

    Und genau an dieser Stelle wird es ärgerlich, denn der Autor beklagt einerseits
    die Trennung in „Zugehörige“ und „Nicht-Zugehörige“, und betreibt diesen Ausschluss
    dabei (hoffentlich unbewusst) selbst.

    „Die Deutschen“ haben die Demokratie also aus den Händen der Besatzer entgegengenommen?
    Die ökonomischen Verhältnisse sind unverändert geblieben? Das Wirtschaftswunder hat uns
    sich mit den Verhältnissen arrangieren lassen? Und die 68er Bewegung hat die
    Autoritätshörigkeit in Deutschland hinweggefegt?

    Offenbar ist der Autor in einem ganz anderen Deutschland aufgewachsen, als ich. In
    meinem Deutschland gab es diese Ereignisse nicht. In meinem Deutschland wurde die
    Demokratie im Jahre 1989 durch das Volk erstritten. In meinem Deutschland gab es
    mehrfach gravierende Umwälzungen der ökonomischen Verhältnisse – bis in die 1990er
    Jahre hinein.

    Ist es wirklich zuviel verlangt, 25 Jahre nach dem Ende der DDR unsere ostdeutsche
    Geschichte als Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte zu begreifen? Es wirkt
    einfach arrogant, von „den Deutschen“ oder „unserer Geschichte“ zu schreiben und in
    Wirklichkeit nur die Bonner Republik zu meinen. Damit schließt man Millionen von
    Deutschen aus und gibt Ihnen das Signal: „Ihr gehört nicht dazu.“ Ich denke nicht,
    dass dies die Wirkung ist, die der Autor beabsichtigt hat.