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Aktueller Hinweis v. 17.12.2016: Der Vivaldi-Browser liegt jetzt in der stabilen Version 1.6 (1.6.689.34 ) vor. Siehe die Ergänzung am Ende des Berichts


Testbericht: Günther Schmidt-Falck

Der Vivaldi-Browser, sehnsüchtig von vielen Usern erwartet, nimmt langsam Gestalt an. Er liegt im 4. Technical Preview vor. Ein bisschen in der Entwicklung weiter sind die ständig aktualisierten Snapshots. Zum Zeitpunkt dieses Berichts kann der Snapshot 1.0.300.5 heruntergeladen werden. In den Snapshots werden stückchenweise die Fehlerverbesserungen und neue Entwicklungen präsentiert.

Die Entwicklung des Vivaldi ging vom ehemaligen Boss und Mitgründer von Opera, Jon Stephenson von Tetzchner, aus.  Ende 2013 wurde Vivaldi als userfreundlicher, sicherer und schneller Browser ins Leben gerufen. Derzeit arbeiten 31 Programmierer, Techniker, Übersetzer, Tester usw. unter der Leitung von Jon Stephenson von Tetzchner (CEO) aus USA, Island, Norwegen, Finnland und Tschechien zusammen.

Für viele User könnte der Vivaldi die Alternative sein, denn: Chromium sei zu nahe an Google dran, der neue Opera-Browser gefällt vielen nicht und Firefox gilt als zu schwerfällig und langsam. Die Erwartungen an Vivaldi lesen sich in etwa so: schnell, sicher, kein Datenmissbrauch, eMail-Klient, individuell einstellbar, gut ausgestattet und gesicherte Weiterentwickkung, um die wichtigsten Forderungen zu nennen. Es scheint, dass Vivaldi sie erfüllt.

Vivaldi arbeitet auf der technischen Basis von Chromium (Chromium ist Open Source von Google) und will ideell mit neuer Technik an Opera 12 „anschließen“. Langfristig soll noch ein eMail-Client dazukommen wie im alten Opera-Browser. Der folgende Test des Snapshot 1.0.300.5 wurde unter LinuxMint 17.2 (Oberfläche XFCE) durchgeführt mit einem 64-Bit-Rechner und einem i5 Prozessor inkl. 8 GB Speicher.

Erster Eindruck
Vivaldi startet etwas langsam (noch vertretbar), vergleichbar dem Webkit-Browser Chromium. Links oben befindet sich das Vivaldi-V. Das horizontale Hauptmenü kann über den Klick auf das „V“ /horizontales Menü angezeigt werden. Wer das Menü nicht will, z.B. um Platz zu sparen mit einem Netbook, kann über das Menü „Werkzeuge/Einstellungen“ unter dem Punkt Darstellung oder über das Menü „Ansicht“ das Hauptmenü wieder ausblenden. Die Menüpunkte lassen sich dann wieder über den Klick auf das „V“ aufrufen.

Das Aussehen unterscheidet sich auf den ersten Blick von anderen Browsern. Relativ dicke Ränder kasteln die Adress- und Suchzeile ein. Der Hintergrund der Lesezeichenleiste hat die Farbe der Ränder. Wird eine neue Seite aufgerufen, verändert sich die Farbe der Oberfläche … von rot nach Mittelblau, nach Grün, nach Dunkelblau usw.  Gewöhnungsbedürftig zwar, hat aber was. Die Farbe lässt sich aber auch ganz abstellen: Im Einstellungsfenster, Unterpunkt „Darstellung“, lässt sich der Haken in der Checkbox „Farbschema der Seite verwenden“ wegklicken.

Wie beim alten Opera-Browser lässt sich links am Rand ein Paneel zuschalten. Es zeigt die Lesezeichen-Ordner an, einen kleinen Notizeneditor, die Downloads, das Adressbuch und den eMail-Klient. Er ist noch nicht fertig. Über das Menü „Ansicht“ kann man das Paneel einschalten. Mit dem Menü „Werkzeuge/Einstellungen“ kann man sich unter dem Punkt „Paneel“ eine Paneel-Umschaltfläche dauerhaft unten links im Browserfenster anzeigen lassen. Damit wird dann die Paneel-Leiste ein- und ausgeblendet, und man kann sich z.B. mit einem Klick auf den Lesezeichen-Button (auf der Paneel-Leiste) die Lesezeichen zeigen lassen. Die Lesezeichen sind sortierbar. Die Verwaltung der Lesezeichen weist noch Mängel auf. Bei der Bearbeitung der Lesezeichen verschwindet z.B. die Lesezeichenleiste plötzlich. Wenn der Browser mal fertig ist, dann sollte man mit Vorsicht seine Lesezeichen verwenden. Im Moment sollte die Benutzung noch auf Versuchsbasis stattfinden. Ganz unten in der Paneel-Leiste befindet sich ein zahnradähnliches Gebilde. Per Mausklick öffnet sich damit das Einstellungsfenster. Alles recht praktisch und durchdacht gemacht.

Geschwindigkeit
Wenn der Vivaldi am Laufen ist, geht das Öffnen der Seiten recht fix. Neue Seiten hängen manchmal und brauchen, bis sie das Tageslicht erblicken, manchmal konnte ich keinen Suchbegriff mehr eingeben. Die Editzeile hat vermutlich den Fokus nicht bekommen. Diese kleinen Macken werden sicher mit der Zeit verschwinden, wenn die finale Version vorliegt. Ansonsten gab es keine Abstürze, selbst der Snapshot war deutlich schneller als der aktuelle Firefox 40.

Suchen
Über das Menü „Werkzeuge/Einstellungen“ kann die Suchmaschine definiert werden. Vivaldi bietet auch die Suchmaschinen DuckDuckGo und Startpage (= nutzt anonym die Google-Daten) an. Soll eine Suchmaschine standardmäßig aktiviert werden, klickt man rechts neben der Suchmaschine auf den Haken.

Sicherheit
Privates Surfen ist mit dem Befehl „Neues privates Fenster“ im Menü „Datei“ möglich. In den Einstellungen im Menü „Werkzeuge“ kann man unter dem Punkt „Privatsphäre“/Drittanbieter-Services den Haken bei „Google-Dienst zum Schutz vor Phishing und Malware einschalten“ wegklicken. Alle anderen Haken in diesem Unterfenster sind sowieso standardmäßig deaktiviert. Auf dieser Unterseite kann man auch ganz unten die Cookies löschen (… was man regelmäßig tun sollte).

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Aussehen und Layout
Der Vivaldi-Browser hat jetzt schon alles, was man zum Anpassen der Oberfläche braucht. In den Einstellungen, Punkt „Darstellung“, kann der Hintergrund dunkel oder hell eingestellt werden. Leisten können platziert oder ausgeschaltet werden. Möchte man ein Hintergrundbild auf der Startseite sehen, geht man in den Einstellungen zur Unterseite „Schnellwahlseite“. Gefallen einem die angebotenen Hintergrundbilder nicht, klickt man auf den Button <Ändern> ganz rechts und sucht sich ein eigenes Hintergrundbild von seiner Festplatte aus.

Arbeiten mit Tabs
Wie aus Opera noch bekannt (bei anderen Browsern gab es das damals nicht!) konnte man Tabs duplizieren – eine sehr sinnvolle Einrichtung. Im Firefox geht das heute immer noch nicht. Zusätzlich bietet Vivaldi an, Tabs „anzuheften“ oder zu „Mit ähnlichen Tabs gruppieren“. Beim Anheften wird ein Tab mit dem daneben verbunden, beim Gruppieren kann man einen Tab über einen anderen schieben. Geht man mit der Maus über den Tab, öffnen sich zwei Untermenüs mit den beiden Seiten (Kleinbildanzeige), die man verbunden hat.  Man kann dies z.B. einsetzen, wenn man viele Tabs offen hat bei einer umfangreichen Suche, lassen sie sich thematisch bündeln. Hinter einem Tab stecken dann z.B. drei. Mit der rechten Maustaste (auf den Gruppentab) kann man die Tabgruppe auch wideder auflösen.
Mit „Anheften“ – der Firefox kann das auch – lässt sich ein Tab an einen anderen offenen Tab dranhängen.
Interessante Features – das Experimentieren lohnt sich.

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  Zum Vergrößern bitte anklicken!

Zusätzliche Einstellungen und Erweiterungen
Vivaldi hat aktivierbare Mausgesten, einschaltbare und definierbare Tastaturkürzel. Plugins können in der Zwischenzeit auch hinzugefügt werden – und zwar sinnigerweise Chromium-Plugins. Dazu klickt man im Menü „Werkzeuge“ auf den Befehl „Erweiterungen anzeigen“ und dann, im neuen Fenster,  auf „Mehr Erweiterungen herunterladen“. Es öffnet sich die Chromium-Seite mit den Plugins. Hinweis: Es gibt viele Plugins, bei denen keine Anmeldungen bei Google-Chromium nötig ist und die kostenlos sind!
Gerne installiert werden: HTTPS Everywhere, Video DownloadHelper, Ghostery und AdBlock. Bitte selber informieren! Eine Beschreibung dieser „Sicherheits- und Helfer-Plugins“ würde den Rahmen hier sprengen.
Ein Reader für pdf-Dateien ist bereits integriert.

Multimedia
HTML5 mit dem MP4-Video-Format and MP3 Audio wird seit Snapshot 1.0.300.5 ebenfalls unterstützt. Unter Ubuntu und LinuxMint muss dazu aber das „chromium-codecs-ffmpeg-extra" package installiert sein.

Vivaldi als eMail-Provider
Wer auf der Suche nach einem kostenlosen, schnellen, zuverlässigen eMail-Anbieter (pop3 und imap) ist, wird bei Vivaldi fündig. Über den Link https://vivaldi.net/de/ kann man seine neue eMail-Adresse einrichten. Sie hat die Endung … @vivaldi.net. Der Username, den man bei der Anmeldung angibt, wird der eMail-Name.
Die Mail-Adresse kann über einen Web-Editor verwaltet werden oder über die Einbindung in das häusliche eMail-Programm.

Hier die Daten für eine Imap-Einbindung in den Thunderbird (Daten für andere eMail-Clients bitte anpassen):

Imap-Eingangs-Server: mail.vivaldi.net
Sicherheitseinstellung für SSL/TLS: 993
Passwort: normal

SMTP-Ausgangs-Server: mail.vivaldi.net
Sicherheitseinstellung für SSL/TLS: 465
Passwort: normal

Funktioniert prächtig! Dennoch: Eine Gewähr für Funktion und Zuverlässigkeit können wir natürlich nicht geben. Der Einsatz geschieht auf eigenes Risiko.

Fazit
Ein schneller, gut einstellbarer Browser, stabil, angenehm und leicht bedienbar, jetzt schon mehr als eine Alternative. Wenn der eMail-Klient fertig ist, werden Chromium, Firefox, Opera, Safari, Internet Explorer und Co. einen sehr starken Konkurrenten bekommen. Wichtig: Der Vivaldi sollte über den Teststatus hinaus derzeit noch mit Vorsicht eingesetzt werden! (siehe auch unten „Letzte Meldung“).


Plattformen
Linux, Windows und Mac, 32-Bit und 64-Bit

Download
Unter LinuxMint kann der jeweilige aktuelle Snapshot als *.deb-Datei für LinuxMint/Ubuntu/Debian heruntergeladen werden. Wird die Installationsdatei über einen Doppelklick im Dateimanager installiert, kann man über die Aktualisierungsverwaltung in LinuxMint automatisch updaten und wird informiert, wenn es eine neue Version gibt. Für die anderen Betriebssysteme befinden sich automatisch Hinweise und Links auf der Vivaldi-Internetseite.


Erweiterter Test von Fassung 1.6 (stable) – 17.12.2016:

Die stabile Version 1.6 (1.6.689.34) liegt nun vor. Es wurden zahlreiche Bugs ausgebessert. Ein eMail-Modul ist noch nicht mit an Bord. In der Version 1.6 wurde vorwiegend die Tab-Behandlung ausgebaut und verbessert. Sind z.B. zwei Tabs offen und einer selektiert, kann man mit gedrückter Strg-Taste und der Linken Maus beide Tabs „zusammenfassen“. Mit der rechten Maus lassen sich beide Tabs im Fenster nun z.B.  „kacheln“ (geteilte Fensteransicht).

Die Startgeschwindigkeit ist weiterhin mit Chromium (Version 53.0.2785.143) vergleichbar, Opera ( Version 42.0.2393.85) startet schneller und lädt Seiten am schnellsten. Firefox war etwas langsamer als die drei anderen. Getestet wurden unter LinuxMint 17.3, 64-Bit, KDE, Intel i5, 3.50GHz, 8 GB RAM. Der Tempounterschied war zwar bemerkbar, ist aber tolerierbar. Im Falle eines langsamen Internets hätte aber Opera mit Hilfe des Turbo-Modus im Vergleich zum Vivaldi die Nase „doppelt“ vorne.

Vivaldi hatte auf dem Testrechner beim Klick mit der rechten Maus auf einen Link auf der Seite noch Probleme. Das rechte Mausmenü öffnete sich oft erst nach einem Wiederholungsklick. Das rechte Mausmenü ist auch immer noch nur teilweise ins Deutsche übersetzt. Man merkt, dass Vivaldi noch ein Stück Feinarbeit vor sich hat.

Die Lesezeichenspeicherung klappt bis auf die Verschiebung eines Links innerhalb eines Lesezeichenleisten-Ordners zuverlässig. Die rechte Maus ist beim Öffnen eines Ordners in der Leiste nicht belegt. Soll z,.B. ein Link gelöscht werden, lässt sich das in Opera, Chromium und Firefox mit der rechten Maustaste erledigen (auch die Verschiebung innerhalb des Ordners in der Lesezeichenleiste).
Bei Vivaldi muss man die Lesezeichenverwaltung aufrufen oder in der Sidebar links die Lesezeichen anzeigen lassen. Firefox ist da am weitesten gediehen und am komfortabelsten zu bedienen, z.B. kann man Tabs einfach als Lesezeichen auf die Leiste mit der Maus verschieben.
Der Import von Lesezeichen aus Opera oder Firefox lief reibungslos und fehlerfrei.

Die Passwortspeicherung hat unter LinuxMint, Desktop KDE, einwandfrei funktioniert. Das Sichern von Videos in Youtube ist wie bei Chromium blockiert.

Welche Oberfläche und welche Einstellmöglichkeiten der vier Browser Opera, Vivaldi, Chromium und Firefox am besten gefallen, muss ein User in der täglichen Arbeit feststellen. Je nach Surfverhalten und Vorlieben, wird dann mal der Vivaldi, mal Opera, mal der Firefox oder der Chromium die Nase vorn haben. Wer keinen proprietären Browser (der Quellcode ist nicht offen) will, wird sich vielleicht schon deswegen für Chromium oder Firefox entscheiden. Opera und Vivaldi sind proprietär, aber kostenlos.

Insgesamt verhielt sich der Vivaldi 1.6 stabil und zuverlässig. Die Benutzung der Snapshot-Variante ist nicht mehr notwendig, es sei denn, jemand will immer die aktuellste Entwickler-Version auf der Platte haben.

Downloadseite Version 1.6 (stable)

 

2 Kommentare

  1. Alfons Wiest

    Hallo,
    zu diesem informativen Artikel hätte ich noch gerne folgende Frage:
    da ich ebenfalls noch ein paar Erweiterungen dazu hätte (z.B. Ghostery, AdblockPlus etc.), würde ich dies gerne machen, aber in meiner Version
    1.0.219.53 (Entwickler-Build) (64-Bit)
    gibt es den Einstieg „Erweiterungen anzeigen“ gar nicht … nur … Kurzbefehle anzeigen, Taskmanager, Entwickler-Werkzeuge und Plug-ins Seite … mehr nicht!
    PS: Vivaldi würde ich gerne benutzen, da mich Opera inzwischen total nervt … eigenständige Updates, keine „echte Seitendarstellung“ mehr, Fenster muss jedesmal neu gezoomt werden und so fort!!!
    Ein „Danke schön“ im voraus … vielleicht kann jemand helfen … Alfons Wiest

  2. Redaktion

    Hallo Alfons,
    den Menübefehl „Erweiterungen anzeigen“ gibt es nur bei den Snapshots im Menü „Werkzeuge“. Der aktuelle Snapshot liegt in der Version 1.0.283.8 (vom 24.9.2015) vor. Hier zum Download: https://vivaldi.com > Menü oben rechts „Blog“ > rechts „Download …“
    Viel Glück
    G. Schmidt-Falck