von Günther Schmidt-Falck

Die Unterrichtseinheit (UE) zur Industrie 4.0 wurde von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegeben. Die AutorInnen: Dr. Martina Tschirner und Julia Scheu. Die UE umfasst 7 Seiten und liegt im pdf-Format vor.

Als Einstieg haben die Verfasserinnen ein Foto vorgesehen: Jemand gibt einem Roboter die Hand – ein passender Sprechanlass zum Thema.

Auf der nächsten Seite kommt ein geschichtlicher Abriss mit kurzen Erklärtexten zu den vier industriellen Revolutionen. Die Texte sind sehr kurz, helfen aber, dass die SchülerInnen die geschichtlichen Vorgänge einordnen können. Wem dieses Maß der Erarbeitung zu schmal ausfällt, kann jederzeit aus Geschichtsbüchern oder dem Internet weitere ausführlichere Erklärtexte hinzufügen.

Auf S. 3 folgt ein etwas umfangreicherer Text, der die Merkmale von Industrie 4.0 erklärt. Der Text ist auch für 9. KlässlerInnen aus der Haupt- und Mittelschule noch verständlich. Zusätzlich wurde auch ein Link zu einem Youtube-Videoclip zur weiteren Veranschaulichung angegeben. Leider war der Link nicht mehr aktiv. Wer sich aber häufig im Netz tummelt, weiß, wie kurzlebig Links sein können.

Ersatzweise habe ich  ein passendes  Erklärvideo der IG Metall gefunden. Wem’s nicht gefällt: Einfach in der Suchzeile von Youtube Industrie 4.0 eingeben und einen anderen Film auswählen. Tipp:  Interview mit Richard David Precht zum Thema Industrie 4.0.

Der Text „Lass das mal die Maschine machen – Ein Blick in die Arbeitswelt von morgen“ auf S. 4 zeigt in einem Szenario auf, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen könnte. Er ist erfreulich konkret und schülerorientiert formuliert.

In den Texten „Roboter und Computer verdrängen Hilfsarbeiter“ und „Wie könnte sich die Industrie 4.0 auf die Arbeitsbedingungen auswirken?“ (S. 5) werden die sog. „Schattenseiten“ von Industrie 4.0 angesprochen. Genau diese dunklen Seiten machen den Menschen Angst. Je genauer wir sie im Unterricht besprechen und je mehr die Schüler eigene Handlungsoptionen kennen lernen, desto weniger bedrohlich könnten sie die Zukunft empfinden.
In der UE fehlt die Beschäftigung mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Dieses Thema sollte unbedingt im Unterricht noch besprochen werden. Im Text „Wie lässt sich der Wandel der Arbeitswelt gestalten?“ auf S. 6 geht es nur um betriebliche Veränderungen.

Eine Karikatur zum Thema „Fabrik der Zukunft“ ist auch an Bord. Die S. sollen einen Dialog verfassen, in dem Maschinen mit dem Betriebsrat einen Dialog führen. Nette Idee! Am Ende der UE – wie immer bei Böcklers Unterrichtseinheiten – werden komplexe Begriffe erklärt wie Tarifverträge, Betriebsrat und Co.

Fazit: Die Unterrichtseinheit hat die meisten Aspekte von Industrie 4.0 dargestellt. Auch leistungsschwächere SchülerInnen können sich mit Hilfe des Materials dem Thema nähern und alle Aspekte durchleuchten. Wer z.B. in der Sek II tiefer einsteigen will, dem bleibt es unbenommen, Zusatztexte und -filme einzusetzen.

Der Ausbau der UE zu einem mehrtägigen Projekt wäre in der Sek I und II sinnvoll. Wer keinen Projektunterricht mit selbstständiger Planung durch die SchülerInnen durchführen will, könnte beispielsweise Interviews in Betrieben vor Ort organisieren.

Bei der UE handelt es sich um eine Art Basis-Unterrichtsmaterial – didaktisch und methodisch gut aufbereitet. Nachdem gerade das Thema „Industrie 4.0“ in Riesenschritten auf uns zueilt, sollten Schulen und ihre Lehrkräfte diesem Bereich mehr Augenmerk schenken. Die UE wäre ein optimaler Einstieg ins Thema.


Links für den Download:

Download der Unterrichtseinheit (pdf-Datei)

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©Foto: Tumisu, pixabay; Lizenz: CC0

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