Mitteilung: GEW zur OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt eine bessere Bezahlung und bessere Lernbedingungen in den Grundschulen und der Sekundarstufe I an. „Qualität in der Schule braucht gut bezahlte und gut ausgebildete Lehrkräfte sowie kleine Lerngruppen“, betonte Ilka Hoffmann, für Schule verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, mit Blick auf die Ergebnisse der heute vorgestellten OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“. Sie wies darauf hin, dass Grundschullehrkräfte – in einigen Bundesländern auch Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe I – schlechter bezahlt würden als voll ausgebildete Lehrkräfte an anderen Schularten. „Deshalb verlangen wir, dass alle Lehrerinnen und Lehrer als Beamte nach A13 und als Angestellte nach E13 bezahlt werden. Gerade vor dem Hintergrund des enormen Fachkräftemangels an Grundschulen, ist diese Aufwertung ein wichtiger Beitrag, die Attraktivität des Berufs zu verbessern und so mehr junge Menschen für ein Grundschulstudium zu gewinnen“, unterstrich Hoffmann. Sie rief die Bundesländer auf, dem Beispiel Berlins zu folgen, das Grundschullehrkräfte jetzt nach A13/E13 bezahlen wird.

Hoffmann warnte vor übereilten Rückschlüssen aus Durchschnittswerten von Klassengrößen. „Was nützt einer Lehrerin im städtischen Ballungsraum eine durchschnittliche Klassengröße von 21 Kindern in Deutschland, wenn sie 29 Schülerinnen und Schüler vor sich sitzen hat? So kann Inklusion nicht gelingen. Die Lehrkräfte werden überfordert“, sagte die GEW-Schulexpertin. Sie machte darauf aufmerksam, dass gerade dort, wo es eine größere Zahl sozial benachteiligter und psychosozial belasteter Schülerinnen und Schüler gibt, die Klassen in der Regel besonders groß seien.

„Dort, wo die Probleme am stärksten sind, brauchen die Schulen zusätzliche Unterstützung. Kleine Klassen und multiprofessionelle Teams mit Lehrkräften, Schulsozialarbeitern und -psychologen sowie Erzieherinnen ermöglichen eine individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen“, unterstrich Hoffmann. Sie machte darauf aufmerksam, auch die OECD betone, dass die Klassengröße gerade für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle spielt. „Bildungsbenachteiligung lässt sich nicht durch Tests und Lernprogramme, sondern durch eine gute Pädagogik und eine angemessene Schüler-Lehrerrelation verringern“, hob die Schulexpertin hervor.

Sie machte deutlich, dass die OECD-Zahlen zur Schülerzahlenentwicklung von 2014 in Deutschland von der Realität längst überholt worden seien. „Der Traum von der so genannten demografischen Rendite und damit verbundenen größeren Spielräumen im Bildungsbereich ist ausgeträumt“, sagte Hoffmann. „Die GEW fordert mehr Geld für Bildung, kleinere Lerngruppen und ein tragfähiges Konzept für die Gewinnung von Lehrkräften! Hierfür bieten wir unsere Unterstützung an.“

Hoffmann betonte, dass die OECD zum wiederholten Male auf die dramatische Unterfinanzierung des Bildungswesens in Deutschland hingewiesen habe. „Die öffentlichen Ausgaben für Bildung verharren bei 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der OECD-Schnitt liegt bei 5,2 Prozent. Das ist ein Armutszeugnis für ein so reiches Land wie die Bundesrepublik und eine Riesenhypothek, die den nachwachsenden Generationen aufgebürdet wird“, sagte Hoffmann. Würde Deutschland so viel Geld in Bildung investieren wie die Staaten im OECD-Durchschnitt, stünden jährlich gut 26 Milliarden Euro mehr zur Verfügung, gemessen an Spitzenreitern wie Norwegen (6,2 Prozent des BIP) sogar fast 56 Milliarden Euro.

PM v. 12.9.2017′
Ulf Rödde
Pressesprecher
GEW Hauptvorstand
www.gew.de


Downoad der OECD-Studie

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