von Hasso Rosenthal*

Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen internationalen Vergleichstest an Grundschulen (IGLU). Seitdem überziehen die Kultusminister die Schulen regelmäßig mit Vergleichstests (VERA, IQB), die erstaunlich unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Zuerst zeigen sie: Statistiker irren.

Bei der ersten Untersuchung standen unsere Grundschulen im internationalen Vergleich erstaunlich gut da. Ein hoher Anteil unserer Schüler erreichte ein relativ hohes Niveau. Beim Lesen, Rechnen, bei naturwissenschaftlichen Kompetenzen schnitten die Grundschulen gut ab.

Seitdem führten Migration (Integration) und Behinderung (Inklusion) zu besonderen Belastungen im Schulbereich. Die Lehrerinnen und Lehrer leisteten bewundernswert gute Arbeit bei der Förderung von Flüchtlingskindern und von gehandicapten Schülern.

Dass die Aufnahme der Flüchtlingskinder so bewundernswert gut gelang, liegt ja zum nicht unerheblichen Teil an der aufopferungsvollen Arbeit der Kollegien. Inklusion gab es an den Grundschulen, bevor der Name erfunden war.  Nicht ohne Grund werden Grundschulkolleginnen von ihren Schülern verehrt. Allerdings gehört dazu auch, dass Eltern die Schule bei ihrem Bemühen um gute Leistung unterstützen.

Nun gibt es also diese zusätzlichen Belastungen in den Schulen und, oh Wunder, der Durchschnitt hat sich etwas verschlechtert. Übrigens erstaunlich gering. Wunder gibt es immer wieder, aber sie fallen nicht vom Himmel. Was bei all den Kosten für Zentraltests vernachlässigt wird ist, dass die Schulen durch die Ausbildung und Einstellung von mehr Lehrern entlastet werden, dass die materiellen Bedingungen verbessert werden.

Zentraltests nutzen dem Schulsystem nichts, denn sie bieten keine Hilfen bei der individuellen Förderung. Mit der Veröffentlichung in der vorliegenden Form haben sich die Kultusminister einen Bärendienst erwiesen. Anstelle der Würdigung und Unterstützung der guten Arbeit in der Grundschule wird mit Allgemeinplätzen (20% unter Niveau – wer behauptet da, alle Schüler wären gleich?) fragwürdig Schulpolitik betrieben.

*Der Autor ist Vorsitzender des Ortsverbands Rheiderland der GEW
Bezirk Weser-Ems / Niedersachsen

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