Archiv für den Themenbereich 'KulturWege'

Fußballhelden

Nachdem es in der Geschichte mit einem Platz Deutschlands an der Sonne nicht so recht hat klappen wollen, wenigstens einige “aufbauende” Worte für die unzähligen deutschen Fußballfans anlässlich der “deutschen” Teilnahme am Endspiel der Fußball-EM 2008:

“Das Nationale soll helfen, sich in einer Gesellschaft zuhause fühlen zu können, in der die soziale Verwurzelung immer schwieriger wird und sich Menschen von der anonymen Kälte ökonomischer Prozesse und fehlender sozialer Solidarität bedroht fühlen. … Die Identifikation von Vielen mit denselben Führerfiguren in Gestalt von Sportstars stiftet zugleich deren Identifikation untereinander. Verbunden mit ihren Fußballhelden können sich die Fans untereinander als emotional eng verbunden erleben, auch wenn sie sich sonst im Alltag fremd, gleichgültig oder gar feindlich gegenüberstehen.”

Gerhard Vinnai,
Dr., war bis 2005 Professor für Sozialpsychologie an der Uni Bremen. Das Zitat stammt aus seinem ganz ausgezeichneten Aufsatz “Eigentore – Zur ideologischen Funktion des Fußballsports” (psychosozial 110 – IV/2007).

Über den Einbürgerungstest

"Integration entsteht nicht durch bloßes Auswendiglernen von einem angeblichen Deutschtum. Integration entsteht vielmehr durch gemeinsame Sprache, durch gleichberechtigten Zugang zu Bildung und durch ein offenes Zusammenleben."

Franziska Drohsel
ist Bundesvorsitzende der Jusos. Sie äußerte sich am 11.6.2008 in einer Presseerklärung zu dem vom Bundesinnenministerium vorgelegten Einbürgerungstest.

Nestbeschmutzer

Erwin Pelzig auf dem Weg der ewigen Wahrheiten. Er hat voll erkannt, dass man in der "Heimat" nur erwünscht ist, wenn man so ist wie sie. Grund genug, ihn mit seinem Zitat in den KulturWegen zu verewigen. Allein schon wegen dieses Zitats sollte das Buch auf dem nächsten Wunschzettel stehen:

"Heimat ist dort, wo ich herkomm, wo mich jeder kennt. Wo ich über die Straße geh, und jeder sagt: Hau ab!"

Erwin Pelzig
alias Frank-Markus Barwasser in seinem Buch: Barwasser, M. (2007): Erwin Pelzig. Was wär' ich ohne mich? 2. Auflage. Piper Verlag München, S.105

Wie kannst DU nur!

Gedanken zur heutigen Feedback-Kultur
von Joscha Falck

Rückmeldungen anderer Menschen – also Reaktionen auf unser Tun und Sagen- gehören zum Alltag des Lebens. Nicht immer empfinden wir allerdings solche Rückmeldungen als hilfreich oder befriedigend, manchmal sogar als kränkend. Der Autor hat sich Gedanken zu solchen Prozessen gemacht und mit zahlreichen Beispielen aus der Alltagskommunikation veranschaulicht. … weiter

Mein Sonntag, mein Weltbild, mein Tatort

"»Tatort«-Kommissare sind unsere modernen Helden. Sie gehen durch eine Welt, die jeden Tag schlimmer wird. Ihre Aufgabe ist es, die Ursachen dafür herauszufinden und diese Welt für eine kurze Zeit wieder in Ordnung zu bringen. Der »Tatort« ist so etwas wie das säkularisierende Wort zum Sonntag. Die Leute können am Sonntagabend relativ beruhigt ins Bett gehen, weil sie wissen: Es gibt irgendeine Macht, die Ordnung schafft."

Liane Jessen
ist Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks und dort verantwortlich für die Produktionen für die ARD, u.a. für den "Tatort". Das Zitat stammt aus einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten v. 22.5.2008 über das Erfolgsgeheimnis der Krimi-Reihe. Unser Kommentar dazu: Sie spricht eine bedrückende Wahrheit gelassen und zielsicher aus.

Die Welt der aufgeklärten Moderne

"In der Welt der aufgeklärten Moderne weht stets das kühle Lüftchen der Sinnfreiheit. Wer den Gedanken schwer erträgt, ohne großen Plan in die Welt geworfen zu sein, den fröstelt's da leicht. Seit der Markt der Heilslehren zunehmend von der Globalisierung erfasst ist, findet der nach spiritueller Wärme suchende Mensch des Westens auch abseits der landesüblichen Großkirchen ein kuscheliges Plätzchen für die frierende Seele."

Hans-Peter Kastenhuber
in einem großartigen Kommentar in den Nürnberger Nachrichten v. 16.5.2008 anlässlich des Besuchs des Dalai Lama.

Paläste und Hütten

"Ein Haus mag groß oder klein sein, solange die es umgebenden Häuser ebenfalls klein sind, befriedigt es alle gesellschaftlichen Ansprüche an eine Wohnung. Erhebt sich aber neben dem kleinen Haus ein Palast, und das kleine Haus schrumpft zur Hütte zusammen. Das kleine Haus beweist nun, daß sein Inhaber keine oder nur die geringsten Ansprüche zu machen hat; und es mag im Laufe der Zivilisation in die Höhe schießen noch so sehr, wenn der benachbarte Palast in gleichem oder gar in höherem Maße in die Höhe schießt, wird der Bewohner des verhältnismäßig kleinen Hauses sich immer unbehaglicher, unbefriedigter, gedrückter in seinen vier Pfählen finden."

Karl Marx
anlässlich seines 190. Geburtstages; aus: Lohnarbeit und Kapital, 1849, MEW 6, S. 411

Niedergang der Achtung vor der Person

"Nicht allein in der Regierung sehen wir einen Niedergang der Achtung vor der Person. Die Verwesung greift weiter um sich und zeigt sich im Verfall unserer Institutionen. Unser öffentliches Bildungswesen ist versteinert und unfähig, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen."

Carl Rogers
in seinem Buch "Die Kraft des Guten". Wo er Recht hat, hat er Recht!