von Gabriele Frydrych                       

Jede dritte Ehe wird geschieden, aber Verlobungen, Junggesellenabschiede und Hochzeiten auf Schlössern sind beliebt wie nie zuvor. Auch meine Nichte Lena will sich verloben. Aber nicht einfach nur so. Sie lädt zu einer Motto-Party „Wilder Westen“. Die Nichte schickt mir netterweise einen Link mit, wo ich die nötigen Utensilien erwerben kann: Henrystutzen und Silberbüchse, Lasso und Stiefel, Bohnenkessel und Lederweste, Tomahawk, Marterpfahl zum Umschnallen, Pferdekostüm für zwei Personen und tief dekolletierte Saloon-Kleider aus atmungsfreundlichem Polyester.

Ich habe mich noch nie gern verkleidet. Das letzte Mal (als Schülerin!) auf einer Faschingsparty in der 7. Klasse, wo alle als Winnetou kamen. Die Adlerfeder habe ich vor Jahren entsorgt, sonst könnte ich die noch mal zum Einsatz bringen. Irgendwie ist ein Trend an mir vorbeigegangen. Man verkleidet sich jetzt das ganze Jahr über, nicht nur im Kölner Karneval. … weiter

Hier sieht man Gaby Frydrychs Villa,
der Pool ist hinter dem Haus,
der Butler tischt gerade das Mittagessen auf

von Gabriele Frydrych

Im Theater treffe ich einen ehemaligen Kollegen. „Na, du kannst doch sicher von deinen Tantiemen leben!“, behauptet er. Ich grinse. Klar, ich schwimme im Geld, seit ich für ein paar Zeitschriften schreibe, einmal im Fernsehen auftreten durfte und meine drei Bücher gierig auf Kunden warten. Ich habe eine Villa in der Toscana, einen jungen Butler und eine Literaturagentin. Das glaubt mir der Kollege sofort.

Gabriele Frydrych schreibt über ihre Erlebnisse und Erfahrungen als Autorin – „Nähkästchen“ sagt man in Fachkreisen dazu -, und berichtet von niedrigen Honoraren, fehlender Anerkennung, schnöseligen Bildungsredakteuren, eigenartigen Schulleitungen, ja sogar von Rauswürfen und stundenlangem Hot-Dogs-Essen. Eine amüsante, reale Kost, die einem immer wieder im Hals stecken bleibt. … weiter


 

zu den Satiren von Gaby Frydrych im Magazin Auswege

13. Februar 2018 · Kommentare deaktiviert für Tiefenentspannt – Wellness für Lehrer · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , , ,

Eine Satire von Gabriele Frydrych

Wahre Begeisterungsstürme hat mein Text „Tolle Tipps – Wellness in der Schule“ ausgelöst. Ich empfahl darin zum Beispiel heimliche Fußbäder hinterm Lehrerpult, barfuß durchgeführte Aufsichten und Finger-Yoga. Nein, die Kanzlerinnen-Raute ist kein Finger-Yoga!

Zwischendurch im Unterricht ein Blatt Koriander oder Minze kauen, öffnet neue Horizonte. Schöne Plakate und vierlagiges Toilettenpapier machen das Lehrerklo zu einem wahren Refugium. Meine vielen Tipps haben einigen gequälten Kollegen öde Konferenzen und anstrengenden Unterricht unendlich erleichtert. … weiter


 

 → weitere Texte von Gaby Frydrych

21. Januar 2018 · Kommentare deaktiviert für Über Schule schreiben? Nichts leichter als das! · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , , , , ,

Tipps für Quereinsteiger im Bildungsjournalismus

Eine Satire von Gabriele Frydrych

Du wolltest eigentlich zum Feuilleton. Oder wenigstens ins Sportressort. Aber auf keinen Fall in die Bildungsredaktion. Die zuständige Kollegin ist jedoch schwanger und hat schon im zweiten Monat das derzeit beliebte Beschäftigungsverbot ausgesprochen bekommen. Zwei Jahre wirst du sie vertreten. Das kann deine große Chance sein. Das Einfallstor in die Politredaktion. Näher ran an den Textchef. Vielleicht wird sogar das Fernsehen auf dich aufmerksam! Dort verdient man wesentlich mehr als beim Zeilenschinden. … weiter


Hier geht es zu allen bisherigen Texten, die Gaby Frydrych im Magazin Auswege veröffentlicht hat.

 


Foto/©: Rainer Sturm / pixelio.de

13. Januar 2018 · Kommentare deaktiviert für Alles wird gut! · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , ,

von Gabriele Frydrych

„Berliner Kinder können nicht lesen. Sie stehen in Sachen Lesefertigkeit mit Kasachstan auf einer Stufe, was anscheinend kein Grund zum Jubeln ist. Berliner Kinder können auch nicht rechnen. .. Wenn Sie mehr schockierende Details aus dem Bildungsleben erfahren wollen, schlagen Sie einfach den Lokalteil Ihrer Zeitung auf. Ein Gruselbericht folgt dem nächsten. Doch halt! Heute nicht. Leute, hört auf zu jammern. Alles wird gut! In Berlin gibt es jetzt an einigen Pilot-Anstalten das Schulfach „Glück“, wie ein Journalist in höchster Verzückung berichtet.“ … weiter


Wer mehr von Gaby Frydrych lesen möchte, und das ist dringend anzuraten, für den bzw. die haben wir hier eine kleine Auswahl zusammengestellt:


Grafik/©: luck by Ahanssen, pixabay.com, Lizenz: CC0

 

10. Oktober 2017 · Kommentare deaktiviert für Sie sind der beste Pauker hier! · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , ,

von Gabriele Frydrych

Am 5. Oktober finde ich im Postfach eine Mail meines Neffen. „Herzlichen Glückwunsch!“ schreibt er. Kann er sich wirklich nicht merken, dass ich erst im Februar Geburtstag habe? Ich öffne seine Mail:

„Ihr müht euch mit uns jeden Tag, uns etwas beizubringen.
An eurem Tag wolln wir dafür ein Lied zum Dank euch singen.
Ihr lehrt uns, was man wissen muss, um zu bestehn im Leben, und wir versprechen heute fest, wir wolln uns Mühe geben.“

Hä? Ein Klick auf einen Link bringt mich weiter. Bei Youtube singen helle Kinderstimmen dieses Lied: zum Tag des Lehrers in der DDR. Der war am 12. Juni. Meine Tante in Apolda erinnert sich: Die Schüler überreichten Blumen, Kaffee, Seife, Taschentücher und Pralinen (was, keine Socken, keinen Schnaps?), der Unterricht endete früher, damit im Lehrerzimmer ein ausdauernder Umtrunk beginnen konnte. Mit „Blauem Würger“ und „Rotem Hengst“.

Die DDR gibt es nicht mehr, den Lehrertag schon. Weltweit. 1994 von der UNESCO initiiert. … weiter


 

Alle Aufsätze, Satiren und Glossen von Gabriele Frydrych im Magazin Auswege

03. Juni 2017 · Kommentare deaktiviert für Es wird noch heißer! · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , ,

Eine Glosse von Gaby Frydrych

5.30 Uhr. Die Sonne strahlt. Schon 20 Grad im Schatten. Der Radio-Moderator ist begeistert: „Endlich voll Sommer!“ Er singt freudig das Lied von „2raumwohnung“ mit:

„36 Grad, und es wird noch heißer,
mach den Beat nie wieder leiser,
36 Grad, kein Ventilator,
das Leben kommt mir gar nicht hart vor.“

Ja, es gibt Menschen, die brüten und transpirieren gern in dumpfer Wärme. Die fahren in den Sommerferien in den Süden, weil ihre Lebensgeister erst bei 40 Grad erwachen. Meine Lebensgeister sterben dann ab. Mir reichen 20 Grad bei frischem Wind völlig. … weiter

©Grafik: by OpenCliparts-Vector, Lizenz: CC0


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27. April 2017 · Kommentare deaktiviert für Das Paradies in der Großstadt · Kategorien: Lesezeichen · Tags: , , , , ,

Besprechung des Buchs „Mein wundervoller Garten“ von Gabriele Frydrych

von Monika Falck

„Unkraut jäten? Ohne mich!“ Als Gabriele Frydrych, bekannt durch ihre Glossen über den Alltag an einer Berliner Brennpunktschule, von der Innenstadt in ein Häuschen am Stadtrand zieht, hat sie keineswegs vor, in dem dazu gehörigen verwilderten Grundstück den Spaten zu schwingen.

Doch es dauert nicht lange, da ist sie dem eigenen Stück Natur vor der Haustür restlos verfallen. So sehr, dass sie ihre Entwicklung zur leidenschaftlichen Gärtnerin nun als Buch herausgegeben hat. … weiter


zu Gaby Frydrychs Glossen im Magazin Auswege

 

05. April 2017 · Kommentare deaktiviert für Das wahre Leben · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , ,

Eine Glosse von Gaby Frydrych

Der Jugendfreund ist in den letzten vierzig Jahren (auch) nicht schöner geworden. Vermutlich hätten wir uns im Vorbeigehen auf der Straße nicht erkannt. Er schiebt die letzten drei Scampi auf seinem Teller hin und her und gibt sich Mühe, mir zuzuhören. Aber das fällt ihm schwer. Er redet gerne selber. Am liebsten von sich und seinen Krankheiten.

Als ich einen Moment innehalte, bricht es aus ihm heraus: „Ach ja, Lehrer wollte ich auch mal werden. Habe die Kurve nach dem ersten Staatsexamen aber noch rechtzeitig gekriegt. Gottseidank. In der Schule bekommt man vom wahren Leben ja überhaupt nichts mit!“ … weiter


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©Foto: chairs by wollyvonwolleroy, pixabay.com Lizenz: CC0

04. März 2017 · Kommentare deaktiviert für Strafaktion im Schulgarten – Teil 2 · Kategorien: Kultur- und Lebenswege, Standpunkte · Tags: , , , ,

von Gaby Frydrych
Ich muss das Projekt „Schulgarten“ betreuen. Das ist die Strafe des Schulleiters, weil ich seine intensiven Bemühungen um die Außenwirkung unserer Anstalt verspottet habe. Hinter der Cafeteria liegt das verwilderte Gelände, das mal ein Schulgarten war. Den ehemaligen Geräteschuppen benutzt der Hausmeister jetzt als Garage. Auf keinen Fall wird er ihn für mich räumen! Eine pensionierte Kollegin hat den Garten einst angelegt.

Angeblich gab es mal einen Froschteich, eine Kräuterspirale, ein Freiluft-Klassenzimmer und ertragreiche Hochbeete. In den Sommerferien ist die Kollegin nicht verreist, sondern hat stattdessen den Schulgarten gewässert. Eine richtige Nachfolge fand sich nicht. Aber Interessenten für Büsche und Stauden… … weiter

Strafaktion im Schulgarten – Teil 1 downloaden


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