Vom 7.3. – 10.3. 2019 veranstaltet die “Neue Gesellschaft für Psychologie” einen Kongress zum Thema
“Krieg nach innen, Krieg nach außen – und die Intellektuellen als „Stützen der Gesellschaft“?

Klaus-Jürgen Bruder von der NGfP schreibt in seinem Rundbrief:

Liebe Freunde, liebe Mitglieder der Neuen Gesellschaft für Psychologie,

ich schicke Ihnen / Euch heute den Link zum vorläufigen Programm für den Kongress vom 7. bis 10. März 2019 zum Thema

Krieg nach innen, Krieg nach außen – und die Intellektuellen als „Stützen der Gesellschaft“?
https://www.ngfp.de/wp-content/uploads/2018/12/NGfP-2019-Programm.pdf

Mit dem Symposium „Trommel für den Krieg“ 2014 und dem Kongress „Krieg um die Köpfe“ 2015 hat sich die NGfP eingehend mit den institutionellen und psychologischen Vorbereitungen zu Kriegen und die Rechtfertigung von Kriegen aus angeblicher Verantwortung heraus, beschäftigt. Wir wollen erneut die von der Mehrheit der Bundestagsabgeordneten angemahnte stärkere Beteiligung Deutschlands an Kriegseinsätzen und die ausgeweitete deutsche Waffenproduktion, die zunehmenden Feind-Erklärungen nach außen und nach innen, thematisieren und in ihren Zusammenhängen, ihren Ursachen und Auswirkungen, verstehen.

Letztlich geht es um die Zementierung der bestehenden Macht- und Reichtumsverhältnisse. Dafür wird das innenpolitische Klima mit allen Mitteln nach rechts gedrückt, werden demokratische Errungenschaften gekippt, soziale Sicherheiten abgebaut, Kontrollen der staatlichen Apparate über Bord geworfen, wird ein Klima des Verdachts und des Misstrauens untereinander geschaffen.

Gleichzeitig wird die größte Bedrohung aller, die seit Generationen vorausgesagt worden ist, die sogenannte „Umweltkatastrophe“ mit nichts als leeren Versprechungen beschworen. Zu den Folgen dieser immer unabweisbarer sich anbahnenden Katastrophe gehören Ströme von Menschen, die nur durch Flucht der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage durch Krieg, Dürre, Überschwemmungen entkommen können.

Alle diese Einzelphänomene wirken zusammen in der Formierung des innenpolitischen Klimas und Bewusstseins; das Spiel mit der inneren „Sicherheit“ wird die Kriegsangst eher in Schach halten, die neokoloniale Lebensweise wird auf Kosten der Ausbeutung des neokolonialen „Rests“ der Bevölkerung der Welt zusammen mit der zunehmenden Spaltung der Bevölkerung in Profiteure und Verlierer beitragen.

Sowohl die ständig steigende Zahl der an Hunger sterbenden, durch Krieg getöteten oder Verkrüppelten, die ebenso ständig steigende Zahl der durch Verlust ihrer Arbeit aus dem sozialen Leben ausgeschlossenen, ebenso wie die ständig wachsende Drohung mit einem Atomkrieg müssten bei jedem Menschen den Impuls auslösen, alles zu unternehmen, die bestehenden mörderischen Zustände zu beenden und die Gefahr zu bannen – anstatt diese zu verleugnen. Hier müssten in erster Reihe die. die an den ökonomischen, politischen, ideologischen Hebeln der Macht sitzen bzw. einen Zugang haben, die die diese Zusammenhänge sehen und formulieren können, eingreifen und aufschreien.

Erinnern wir uns daran, dass es auch eine Tradition gibt, an die wir anknüpfen können: gegen die Bedrohung durch eine Wiederholung des Einsatzes von Atomwaffen (der erste war bekanntlich der durch die USA gegen die japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki 1945) meldeten sich viele Intellektuelle und Wissenschaftler zu Wort.[1] Physiker stellten die Zerstörungskraft der Waffen dar und reflektierten ihre Rolle bei deren Herstellung, Mediziner bauten Organisationen wie die Ärzte gegen den Atomkrieg oder auch Ärzte ohne Grenzen auf, Psychoanalytiker deuteten die väterlose Gesellschaft und das schwierige Verhältnis zu Autoritäten, an vielen Fakultäten gründeten sich Gruppen, die ihre Institutsgeschichte in der Nazizeit aufarbeiten wollten. Politiker und Künstler liefen auf den Ostermärschen mit oder wollten in ihren Arbeiten kritisieren und aufklären.

Ihre geschichtlichen Wurzeln sind die zwei Weltkriege, die von Deutschland ausgingen, und danach die Erfahrung des Kalten Krieges, der sich sicht- und fühlbar im geteilten Deutschland abspielte. Vor dem Hintergrund, dass zwei Weltkriege von Deutschland ausgingen und große Teile der Welt zerstörten, bildeten sich Friedensbewegungen, eine neue Politik zwischen BRD und DDR, die auf Ausgleich ausgerichtet war, und weitere Bewegungen. Der Motor dieser Bewegungen war das Aufbegehren der jungen Generation gegen den Widerspruch zwischen der Behauptung von „Verantwortung“ und der Verantwortungslosigkeit im Verhalten der politischen Klasse und der Generation der Eltern.

Diese Kritik ergriff viele bis dahin schweigenden Minderheiten und stärkte das Selbstbewusstsein eines nicht unbeträchtlichen Teils der Bevölkerung bis heute. Und tatsächlich gibt es trotz aller Kriegsvorbereitung in Deutschland weiterhin breite Ablehnung gegenüber Kriegseinsätzen und immer noch viel Wohlwollen gegenüber den Geflüchteten, neben einem weit verbreiteten gelasseneren Umgang gegenüber autoritären Vorschriften und Gepflogenheiten. Es gibt noch: Das Bulletin of the Atomic Scientist, die Ärzte gegen den Atomkrieg, gesellschaftskritische Künstler usw. Doch ihre Stimmen verhallen. Was der Club of Rome macht, weiß kaum einer mehr, das Potsdam-Institut für Klimaforschung erhascht kurz in den Zeitungen Aufmerksamkeit, die aber auch schnell wieder verloren geht. Und das Ganze geschieht, obwohl sie Beängstigendes berichten und Aussagen zu globalen Krisen und in der Folge auch zu Kriegen machen.

Stattdessen wird ein anderer Diskurs geführt, der die „Kriege“ als bedauerlich, aber notwendiges und somit auch „legitimes“ Mittel der Auseinandersetzung darstellen will. Hier wird die „Verantwortungsübernahme“ angemahnt, die das geeinte und demokratische Deutschland in der Welt übernehmen soll. Jetzt werden erneut Kriegsgründe konstruiert, Feindbilder aufgebaut, Hass geschürt und mit den „Säbeln“ gerasselt. Clausewitz’ Wort vom Krieg als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln soll wieder salonfähig gemacht werden.

So fehlt völlig eine Politik des Austauschs und des Ausgleichs – weder zwischen den Völkern, Nationen und Regierungen, noch zwischen den Klassen innerhalb der Gesellschaft. So haben weiterhin sehr große Teile der in Deutschland Lebenden nicht am Reichtum teil, nicht an der Arbeit, nicht an Bildung. Die versteckte Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, die Löhne sind weiterhin eingefroren, die Arbeitsplätze prekär, an Hartz IV und an der Sanktionierung der Betroffenen wird stur festgehalten. Die neuen Gesetze aus Bayern, – sie werden vermutlich in den Bund exportiert – das Polizeigesetz und das neue Psychiatriegesetz, lassen einen nur erschaudern. Gerade letzteres, das Psychiatriegesetz, muss uns als Psychologen und Psychotherapeuten, beschäftigen.

Und die „Verantwortung der Intellektuellen“, also unsere Verantwortung?

Franca Basaglia-Ongaro und Franco Basaglia nannten die „Dienstbarkeit der Intellektuellen“ gegenüber der Macht „Befriedungsverbrechen“.

Müssen wir uns als Psychologen nicht den Vorwurf gefallen lassen, den Subjekten noch bei ihrer Anpassung an im Grunde unmenschliche Zustände zu helfen, sie im Sinne der herrschenden Verhältnisse zu subjektivieren und gegebenenfalls zu pathologisieren?

Die Intervention der NGfP von 2014 in die Kampagne der Bundeswehr und der Bundespsychotherapeutenkammer, deren Ziel es war, die Psychotherapeuten in die Kriegsvorbereitung einzuspannen hat mit ihrer begrenzten Wirkung gezeigt, wie weit das Bewusstsein dieser Gruppe der Intellektuellen von der Wahrnehmung der Bedrohung entfernt ist.

Müssen wir nicht das zentrale „Befriedungsverbrechen“ der Intellektuellen darin sehen, als „Meinungsmacher“ die für die Aufrechterhaltung dieser Zustände nötigen „Erklärungen“ zu liefern.

Zugleich liegt in der Möglichkeit der Kritik dieser „Erklärungen“ der Ansatzpunkt für unsere Arbeit. Es geht erst mal und auf weite Strecken um das Benennen der Zusammenhänge.

Tagungsgebühren

Gruppe I: Regulärer Preis: 140€ (bis 31.01.2019: 120€)

Gruppe II: Mitglieder der NGfP: 90€ (bis 31.01.2019: 75€)

Gruppe III: Personen mit niedrigem Einkommen, Studierende und Psychotherapieausbildungskandidat*innen: 35€ (bis 31.01.2019: 25€)

Gruppe IV: Für Menschen, die kaum etwas erübrigen können, gibt es ein begrenztes Kontigent an noch stärker redzuzierten Karten. Bitte wenden Sie sich in diesem Fall per Email an uns (s.u.). Fachfremde Partner*innen von Teilnehmer*innen der Gruppen I und II können uns hinsichtlich reduzierter Teilnahmegebühren per Email anschreiben.

Wenn Sie am geselligen Abend mit kleinem Buffet und Getränken teilnehmen möchten, bitten wir zusätzlich um einen Beitrag von 20€, ermässigt für Personen mit niedrigem Einkommen, Studierende und Psychotherapieausbildungskandidat*innen 10€.

Anmeldung

Anmeldung bitte online unter: https://www.ngfp.de/kongresse/ngfp-kongress-2019/ (Wird demnächst freigeschaltet.)

Oder ausnahmsweise per Email bitte unter Angabe von Vor- und Nachnamen, Adresse, Preisgruppe und ob Sie eine Teilnahme am geselligen Abend wünschen an folgende Adresse. Sofern Sie Mitglied einer Psychotherapeutenkammer sind, bitten wir Sie um die Nennung derselben.

Email-Adresse: kongress-orga [klammeraffe] ngfp {punkt} de

oder per Post an:
„Krieg nach innen, Krieg nach außen“
z. Hd. Dr. Christoph Bialluch
Hobrechtstr. 69
12047 Berlin
Bankverbindung: Neue Gesellschaft für Psychologie e.V.
IBAN: DE62 1007 0848 0368 2333 00,
BIC-/SWIFT-Code: DEUT DE DB110
(Bestätigung der Anmeldung erfolgt nach Eingang der Überweisung.)

Zertifizierung

Die Zertifizierung ist bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt.

Kongressort

Franz-Mehring-Platz 1 in 10243 Berlin. (Nähe Berlin Ostbahnhof ). BITTE BEACHTEN: Hier kann es noch zu Veränderungen kommen.

Unterstützung
Eine Förderung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist beantragt.

Vorankündigung des Bandes über den Kongress 2018
Paralyse der Kritik – Gesellschaft ohne Opposition?
Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Bernd Leuterer, Jürgen Günther (Hg.)
Der Band versammelt Beiträge des Kongresses » Paralyse der Kritik – Gesellschaft ohne Opposition?« vom 8. bis 11. März 2018 in Berlin.
Die desaströse Situation der Opposition weltweit erlaubt den politischen Eliten, den Neoliberalismus als Garant von Demokratie und Freiheit zu präsentieren. Die Diagnose einer »Gesellschaft ohne Opposition« (Marcuse) scheint ihre Gültigkeit bewahrt zu haben. Gleichzeitig findet der Wunsch nach einer Alternative, dem guten Leben jenseits der Unterwerfung unter das Kapital, seinen Ausdruck in vielen Bewegungen und Projekten, in denen neue Formen der Kritik, aber auch der Zusammenarbeit und des Gemeinsinns ausprobiert werden. Aber: Welche Opposition ist unter den gegenwärtigen Bedingungen in der Lage, jene Gegenöffentlichkeit herzustellen, in der das »unglückliche Bewusstsein« seine Stimme erheben und die punktuellen Aktionen aus ihrer Vereinzelung befreien kann?
Die AutorInnen thematisieren das Phänomen der fehlenden Opposition aus einer gesellschaftskritischen Perspektive und einem interdisziplinären sozialwissenschaftlichen Ansatz und zeigen vielfältige Perspektiven jenseits des medialen und akademischen Mainstreams auf.

Mit Beiträgen von Josef Berghold, Christoph Bialluch, Burkhard Bierhoff, Claudia Bölling, Beate Brockmann, Klaus-Jürgen Bruder, Günter Graumann, Christa Händle, Gerhard Hanloser, Jürgen Hardt, Hannes Heer, Irmgard Heise, Rolf Horst, Mihaela Iclodean, Daniel Jakubowski, Till Manderbach, Bernd Nielsen, Joanna Nogly, Anton Perzy, Julia Plato, Sabine Plonz, Georg Rammer, Karl Heinz Roth, Werner Rügemer, Susanne Schade, Daniel Schur, Gerald Steinhardt, Elke Steven, Irene Strasser, Friedrich Vosskühler und Raina Zimmering

Der Band erscheint voraussichtlich im Februar 2018 im Psychosozial-Verlag Giessen.

Mit den besten Grüßen

Klaus-Jürgen Bruder


[1] Wir verwenden das generische Maskulinum und meinen _ * usw. usf.!


 

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