13. Dezember 2017 · Kommentare deaktiviert für „Antideutsche“ Attacke · Kategorien: Standpunkte · Tags:

Vor einiger Zeit wurde über die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) ein offener Brief verfasst. Er unterstellt der NGfP und ihrem Vorsitzenden Klaus-Jürgen Bruder eine Nähe zu Verschwörungstheoretikern und Antisemiten. Die NGfP sei „mittlerweile weitgehend in den verschwörungsideologischen Sumpf der Querfront eingegangen“.

Der Vorstand der NGfP , bestehend aus Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch und Bernd Leuterer,  hat nun ein Antwortschreiben verfasst. Wir dokumentieren:

Sehr geehrte Kolleg*innen, liebe Freunde,

vor einiger Zeit erreichte uns ein sogenannter „offener Brief“, den uns ein Kollege geschickt hatte mit der Bemerkung „ich habe nicht unterschrieben“. Wir mussten diesen Text einige Male lesen, so unglaublich erschien er uns. Wir konnten nicht glauben, dass er von den Unterzeichnern in die Welt gesetzt worden sein sollte, denn die meisten waren uns aus kollegialen Kontakten bekannt und einige bereits auf den Kongressen der Neuen Gesellschaft für Psychologie als Teilnehmer*innen oder Referent*innen aufgetreten. Aber wir wurden dann durch persönliche Mails eines Schlechteren belehrt.

Der Brief unterstellt der Neuen Gesellschaft für Psychologie und Klaus-Jürgen Bruder eine Nähe zu Verschwörungstheoretikern und Antisemiten. Der Brief ist ein Muster unwissenschaftlicher Agitation, die sich der Diffamierungs-Methoden des Boulevard bedient. Ganz typisch für den Brief sind Zitate, die mir untergeschoben werden, die aber schlicht nicht von mir sind. Zur Methode gehört auch die willkürliche Verknüpfung der Gesellschaft mit Personen oder Organisationen, denen die Verfasser die Etiketten „Querfront“ oder „Verschwörungs-Theoretiker“ ankleben ohne sich die Mühe eines Belegs oder einer Beweisführung zu machen.

Das ist die Methode der „antideutschen“ Diffamierungs-Kampagnen, die seit der Jahrtausend-Wende den Diskurs der Macht im politisch linken Milieu durchzusetzen versuchen. Ihre Stichworte (im wörtlichen Sinne) sind. „Antisemitismus“, „Antiamerikanismus“ und Verschwörungstheorie“. Mit „Antisemitismus“ wird versucht, die Kritik an der Politik des Staates Israel zu delegitimieren, mit „Antiamerikanismus“ die Kritik am Imperialismus und der Kriegspolitik der USA, mit „Verschwörungstheorie“ jede Analyse und Kritik des Diskurses der Macht selbst. Diese Kampagne(n) werden bevorzugt von ehemaligen Linken betrieben, die damit ihre neo-konservative Wende euphemisieren und sich in aggressiver Weise journalistisch „nach oben“ pushen, und: oben angekommen oft mit höchsten Auszeichnungen empfangen werden. Als gewendete ehemalig Linke wirken sie im verbliebenen linken Milieu besonders „überzeugend“.

Die Methode der Diffamierung erreicht auch dann kein objektivierbares Niveau, wenn statt der eigenen Meinung der Autoren die Meinung eines anderen als Beleg für die erhobenen Vorwürfe zitiert wird: So dient ein Artikel aus dem „Neuen Deutschland“ dazu, den angeblichen „Höhepunkt“ des „zweifelhaften Engagements“ von Klaus-Jürgen Bruder und der „Neuen Gesellschaft für Psychologie“ zu belegen.

Die Liste der Literatur, die dem Brief beigefügt ist, ist wohl das einzig nachprüfbare: sie enthält tatsächlich Veröffentlichungen von Klaus-Jürgen Bruder oder Interviews mit ihm. Nur: eine Literaturliste ist noch lange kein Beweis dafür, dass der zitierende Autor die zitierten Texte auch gelesen hat, geschweige denn dass die als Zitate behaupteten Textstellen dort auch zu finden sind. Sie dienen zu nichts anderem als der bloßen, unbelegten Behauptung, sind kein Beleg für die vorgetragene Behauptung.

Ich bin sicher, dass keiner der Kollegen, die diesen Kampagnen-Brief unterschrieben haben, ihren Doktoranden eine  solche unhaltbare Argumentation durchgehen lassen würde. Dass sie trotzdem das Pamphlet von Brunner und anderen weiterreichen können sie kaum mit wissenschaftlichen Anspruch, so sie denn einen hätten, vereinbaren. Offenkundig ist es ideologische Verblendung, die sie treibt. Das ist für die Institutionen und Organisationen, mit denen sie zusammenarbeiten schädlich und bedauerlich.

Gerade weil die schwerwiegenden Behauptungen nicht nachprüfbar, weil nicht belegt sind, ist dieser „Offene Brief“ so gefährlich: er setzt die Angegriffenen: Klaus-Jürgen Bruder und letztlich den gesamten Vorstand der „Neuen Gesellschaft für Psychologie“, solange dieser sich nicht von Bruder distanziert, in den Status des zur Verteidigung Unfähigen, weil der Mittel der Verteidigung beraubt, weil die Vorwürfe nicht nachprüfbar sind.

Diesen Status schafft üblicherweise ein Terror-Regime, das außerhalb des Geltungsbereichs der grundlegenden Menschenrechte sich stellt.

Nun sind die Autoren des „Offenen Briefs“ nicht in der Position, tatsächlich die Menschenrechte außer Kraft zu setzen. Aber sie agieren so „als ob“.

Sie beziehen ihre Chuzpe aus dem sie umgebenden gesellschaftlichen „Klima“ des Kampfes an der „antisemitischen Front“[1]: inzwischen konstitutives Argument des Diskurses der Macht – nicht nur in Israel, sondern überall dort, wo es gilt, Kritik – nicht nur an der Politik der Regierung Israels, sondern der Deutschlands und seiner Verbündeten zu delegitimieren: die Politiken der Aufrüstung und des Krieges, der Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung, der Spaltung der Gesellschaft, des Sozialabbaus, der Überwachung und der Auflösung der Demokratie…

Eine Bemerkung zum Schluss: Der Offene Brief eröffnet seine diffamierende Verleumdung mit einem hohen Lob auf die Neue Gesellschaft für Psychologie:

„Die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) war lange Zeit eine wichtige Institution nonkonformistischer Psycholog*innen unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung. Unter ihrem Dach konnten sich Akademiker*innen wie Praktiker*innen sinnvoll über postmoderne Psychologien, die Berliner Schule der Kritischen Psychologie, psychoanalytische Sozialpsychologie oder politische und feministische Psychologien austauschen, wobei die Jahrestagungen als diverses Diskussionsforum die Vielfalt dieser Richtungen abgebildet haben. Eine solche Institution war und ist in der deutschsprachigen Psychologielandschaft einmalig.“

Diese überschwängliche Anerkennung ist aber nur die Folie, vor der die Diffamierung nur umso schwerer wiegen soll:

„umso betrüblicher ist ihr Weg, den sie seit einigen Jahren unter der Leitung Klaus-Jürgen Bruders einschlägt. Was als sinnvolles Engagement angefangen hat, praktisch wirksam in politische Diskurse einzugreifen und die Beteiligung von Psycholog*innen an Programmen der Bundeswehr zu kritisieren, ist mittlerweile weitgehend in den verschwörungsideologischen Sumpf der Querfront eingegangen“.

Tatsache ist: was in die Vergangenheit der Neuen Gesellschaft für Psychologie verlegt wird, ist erst durch den jetzigen Vorstand mit Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch und Bernd Leuterer in die Wege geleitet worden. Wir haben die Neue Gesellschaft in äußerst desolatem Zustand, übernommen. Wir haben sie in den 10 Jahren unserer Arbeit aus ihrem öffentlichkeitswirksamen Tiefschlaf wieder an die Öffentlichkeit gebracht. Wir haben eine große Anzahl renommierter Wissenschaftler für Beiträge auf unseren Kongressen gewonnen. Wir haben der unbekannten NGfP Beachtung und Anerkennung verschafft. Dies findet von Jahr zu Jahr mehr Zustimmung, wie die wachsende Teilnehmerzahl und die steigenden Mitgliederzahlen zeigen.

Der Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie
Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Bernd Leuterer

[1] Roger Cukierman, Anfang des 21.Jahrhunderts Chef von Frankreichs jüdischer Gemeinde, hat einmal der israelischen Zeitung Haaretz stolz erzählt, wie er Ariel Sharon empfohlen hat, Israel solle die harsche internationale Kritik an den Massakern vom Oktober 2000 dadurch ersticken, dass es eine neue Front eröffnet: die des Antisemitismus (Michael Warschawski (2011) Antisemitismusvorwurf. Eine hinterhältige Waffe. http://www.sozonline.de/2011/07/antisemitismusvorwurf/).

 

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