von Klaus Hecker

Nein, hat sie nicht. Sie hat auch gar kein Kaufangebot gemacht. Diese Art der Interessensicherung wäre auch vorsintflutlich. Das ist es auch, was die Welt so bei Trumps Vorgehen in Staunen versetzt, z.B.:

„ Nein, Mr. Trump! Die Welt ist kein US-Supermarkt. Nicht jeder und alles ist käuflich. Zum  Glück!“  (Jürgen Todenhöfer)

Ist es denn so, dass der Zugriff der kapitalistischen führenden Staaten auf die Reichtümer der Welt per Inbesitznahme eines mit diesen Reichtümern versehenden Hoheitsgebietes verläuft? Klares Nein. Wie wäre es mit der Macht der Währungen im Vergleich, wie wäre es mit den terms of trade? Nigeria bewacht die heimischen Ölquellen für die Geschäfte der internationalen Konzerne. Alles bestens geregelt. Wer käme da auf die Idee  Nigeria zu kaufen.

Rätselhaft ist allerdings, dass sich  die Kritik an ausländischem Zugriff sich allgemeiner Zustimmung erfreut, wenn kolonialistische – also gestrige – Vorgehensweisen ins Spiel kommen, die wirklichen, aktuellen Ausplünderungsweisen dagegen wie ein natürliches,  menschenfreundliches Werk erscheinen, tendenziell jedenfalls.

Tja, und so ist es auch im Fall Grönland.

Die Bundesregierung beschreibt in ihren „Arktisleitlinien“ schon einmal einen geopolitischen Wettlauf um die natürlichen Ressourcen dort oben, die unter Bedingungen des Klimawandels erst zugänglich werden.

Die thinktanks der Bundeswehr fordern für die bald anstehenden Aufgaben eine “arktische Brigade“ u.a. Eisbrecher und Ausrüstung für Kriegführung unter extremer Kälte.

Die Bundeswehrübung „Eiskristall 2019“ hat gerade die Belastbarkeit der Truppe unter polaren Bedingungen geübt, in der Fachsprache, „Überleben in Schnee und Kälte“. Dafür mussten die Gebirgsjäger unter anderem mit voller Ausrüstung von einem Eisscheld ins Polarmeer springen (es geht nicht um die Höhe, es geht um den raschen, enormen Temperaturwechsel).

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mahnt an, „die Förderung und Nutzung arktischer Ressourcen lägen im deutschen Interesse“.

Wie wohltuend dagegen klingen Frau Merkels Worte bei ihrem Besuch in Island, man solle mit der Natur pfleglich umgehen und ihr mit Demut begegnen. Wie täppisch und dumpf dagegen Trump mit seinem Kaufsgepolter.

In der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK) habe ich gelernt, nicht über jeden Begriff, den jemand gebraucht, herzufallen, sondern darüber verschärft nachzudenken, wie dieser im Gesamtrahmen überhaupt gemeint ist. Kurz und gut, ich schenke dem Herrn Trump mal ein Wort, was er selbst nicht findet: Ich, Trump,  möchte doch nur die arktische Region ausbeuten und unter Bedingungen von America First, das ich Trump ja nicht erfunden habe, ist Kaufen eine Metapher dafür, dass wir absoluten Vortritt haben.

Also, was stellt sich raus, es geht um Zugriff, es geht um Ausbeutung von Natur und Mensch, da sind sich Bruder Trump und Schwester Merkel einig. Mit dem absoluten Vortritt weniger. Da werden nicht nur vertragliche Vereinbarungen mit Dänemark und Firmen angesteuert möglichst unter Ausschluss des Anderen (manchmal auch gemeinsam gegen Dritte), sondern auch nichtökonomische Hintersicherungen, die in sich das Potential tragen, andere Willen zu brechen, also Militär.

Je mehr ich darüber nachdenke, um so weniger kann ich mich in das Gerede über Trumps “Begrenztheit” einklinken. Vielmehr möchte ich darauf aufmerksam machen, die sprachlich normale, moderne Variante des Zugriffs auf Grönland als ebenbürtiges imperialistisches (da ist das Wort) Gehabe zu verurteilen.

 

1 Kommentar

  1. America First – immer und überall!
    Trumps Aktion löst bei den meisten Zeitgenossen befremdliches Kopfschütteln aus, in welcher Vorstellungswelt lebt der denn… – und das ist leider auch schon die ganze Kritik. Steckt nicht mehr dahinter?
    Meiner Meinung nach soll Trumps Kaufangebot demonstrieren, dass Amerika mit seiner Währung, dem Dollar, die ganze Welt beherrschen kann, alles ist käuflich. Und wer sich dem entzieht, der hat Amerika beleidigt und sich als Feind Amerikas entpuppt.
    Sehr direkt zeigt Trump die Absicht, keinen anderen politischen Willen und keine anderen Interessen gelten zu lassen, stattdessen sich z. B. ganze Landmassen zur eigenen Be- und Vernutzung einverleiben zu wollen und alles dem (kapitalistischen) Wohl Amerikas unterzuordnen.
    Ob das gelingt, dass sich die anderen Staaten Amerikas Ansprüchen beugen, ist eine andere (letztlich kriegsträchtige) Frage…, aber der Wille ist da.