10. September 2015 · Kommentare deaktiviert für Flüchtlinge: Zugang zur Bildung für alle · Kategorien: Standpunkte · Tags: , , , ,

GEW-Logo_2015_55Bildungsgewerkschaft GEW zur Haushaltsdebatte im Bundestag – Recht auf Bildung kann nicht warten

Mitteilung: GEW Hauptvorstand

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat mit Blick auf die Haushaltsberatungen im Bundesstag einen umfassenden Zugang zu Bildung und Soforthilfen zur Unterstützung der Fachkräfte und Bildungseinrichtungen angemahnt. „Das Menschenrecht auf Bildung gilt für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen – ohne Ausnahme und ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus‘.

 

Flüchtlinge müssen ab dem Zeitpunkt ihrer Ankunft in Deutschland Zugang zu Bildungsangeboten bekommen. Bildung ist die wichtigste Bedingung, um Integration zu ermöglichen“, betonte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Donnerstag in Frankfurt a.M. Viele Flüchtlinge würden dauerhaft in Deutschland eine neue Heimat finden. Mit Bildung müsse deshalb in den Erstaufnahmeeinrichtungen begonnen und ein schneller Zugang zu Kitas, Schulen, beruflicher Bildung, Weiterbildung und Hochschulen gesichert werden.

„Dafür benötigen die Bildungseinrichtungen und ihre Beschäftigten zusätzliche personelle und materielle Unterstützung. Der Haushalt 2016 kommt dieser Anforderung nicht nach“, so Tepe. Sie machte sich für ein bildungspolitisches Soforthilfeprogramm stark und kündigte Vorschläge der GEW an. „Bildung kann nicht warten“, betonte Tepe mit Blick auf die Ankündigung der Bundesregierung, dass der Aufenthalt in Erstaufnahmeeinrichtungen bis zum Abschluss von Asylverfahren verlängert werden solle.

„Die Pädagoginnen und Pädagogen bringen eine hohe Motivation mit, sich für die Flüchtlingskinder einzusetzen. Ihr Beitrag und die Unterstützung durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind zurzeit unverzichtbar und ein wichtiger Baustein, um diese Menschen in Deutschland willkommen zu heißen und zu unterstützen“, sagte Tepe. Sie mahnte umgehende Maßnahmen an: „Unsere Bildungseinrichtungen müssen zügig fit gemacht werden, um auf Dauer mehr Menschen aufnehmen zu können. Wir brauchen mehr qualifizierte Fachkräfte, die mit den spezifischen Herausforderungen unterschiedlicher Herkunft und Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen professionell umgehen können. Die ehrenamtliche Unterstützung ist nur eine Übergangslösung.“

Tepe schlug mehrere konkrete Maßnahmen vor: „Wir benötigen ein Förderprogramm des Bundes für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften für ‚Deutsch als Zweitsprache‘ (DaZ). Weil es viele zu wenige Lehrkräfte mit dieser Qualifikation gibt, schlagen wir eine Doppelstrategie vor: Für ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen müssen jetzt ‚Crashkurse‘ angeboten, gleichzeitig muss deutlich mehr Geld für die reguläre Ausbildung von DaZ-Lehrkräften in die Hand genommen werden.“ Zudem müsse die durchgängige Sprachförderung in allen Fächern endlich Bestandteil der Lehramtsstudiengänge werden. Um guten, sinnvollen Unterricht für geflüchtete Jugendliche und Heranwachsende zu ermöglichen, müsse die Schulpflicht in allen Bundesländern bis zum 21. Lebensjahr verlängert werden. Projekte mit Schulangeboten für Flüchtlinge, die bis zu 25 Jahre alt sind, zeigen: Viele Heranwachsende können so in Ausbildung und Beschäftigung vermittelt werden.

Die GEW-Vorsitzende betonte, dass das Bundesprogramm Sprachkitas ausgeweitet werden müsse. Bisher seien nur Gelder für rund 4.000 Kitas eingeplant. Das Angebot der Integrationskurse – wie geplant – einfach auszuweiten, sei viel zu kurz gesprungen. „Das gesamte ‚System Integrationskurse‘ muss besser finanziert und vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Es ist eine Schande, dass die Menschen, die beispielsweise Flüchtlingen helfen, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, oft mit Honoraren abgespeist werden, die nur geringfügig über dem Hartz-IV-Satz liegen“, unterstrich Tepe. Sie monierte, dass im Haushalt von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) keine zusätzlichen Mittel für die Integration von Flüchtlingen vorgesehen seien. „Wir schlagen vor, den Hochschulpakt schnell aufzustocken. Die Hochschulen sollen mit diesen Geldern spezifische Angebote für Studierende mit Fluchterfahrungen machen“, sagte die GEW-Vorsitzende. Grundsätzlich machte sie deutlich, dass alle Bildungseinrichtungen mehr multiprofessionelle Teams – Erzieherinnen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und –psychologen brauchten. Diese sollten sich neben der Sprachvermittlung insbesondere auch um die psychologische Betreuung der jungen, oft traumatisierten Flüchtlinge kümmern.

PM v. 10.9.2015
GEW-Hauptvorstand
Ulf Rödde
Pressesprecher
www.gew.de

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