16. April 2018 · Kommentare deaktiviert für Verleumdung der Demokratie · Kategorien: Peripherie · Tags: , , , , , , , , ,

Ein Kommentar von Hasso Rosenthal

Mit den panikartigen Falschmeldungen durch die ‘sozialen’ Medien nach der Amokfahrt in Münster wird deutlich, wie mit Falschmeldungen Stimmung gegen unsere pluralistische Gesellschaft gemacht wird. So twitterte B. Storch (AfD) 13 Minuten nach der ersten Meldung, der Attentäter sei Islamist. Später korrigierte sie ihre Falschmeldung: „Weil es diesmal (wohl) ein kranker Deutscher war. () Ein Nachahmer islamistischen Terrors schlägt zu.“ Und so wird die Not der Opfer und ihrer Angehörigen instrumentalisiert in Richtung auf Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit. Dabei hat es viele Versuche gegeben, journalistisch zu entschärfen, den wahren Kern der Nachrichten aus Münster herauszuschälen. Doch die Stimmen der Besonnenen dringen nicht durch. Es hat „systemische Gründe“. Denn die mono-logische Kommunikation des Internet wirkt untergründig in Richtung auf krawallgebürstete Deutungen. Möglichst schnell tickern alle möglichen Falschmeldungen durch das Netz. Doch: „Information ist schnell. Wahrheit braucht Zeit!“ Dazu gehören immer Recherche und das Einholen der 2. (3.) Meinung.

Bei den grausamen, menschenverachtenden Anschlägen werden Fake-News und Gerüchte von vielen Menschen aufgesogen, da sie nach Deutung gelüsten. Eine unerklärbare Situation wie in Münster wird zugeschmissen mit scheinbar „endgültigen Interpretationen“. Man erfährt bei den Sterndeutern wie Storch (AfD) nicht über das Ereignis, aber alles, was sie mit propagandistischem Furor in die Welt hinausposaunen wollen. „Das dominierende Denkbild der Netzkritik ist () die Filterblase oder die Echokammer.“ So hatten die Organisatoren der Pegidademos in Dresden Algorithmen von Google und Facebook genutzt, um die Nutzer in der bestärkenden Echokammer der scheinbaren Gefahr einer `Überfremdung´zu fangen. „Angenommen wird dann () nur noch die eigene, beständig mächtiger wirkende Meinung.“ Und so marschierten Hunderte manipulierter Bürger mit der gestohlenen Parole „Wir sind das Volk“ durch die Stadt.

Die panikartigen Falschmeldungen und die Neigung zu eineindeutigen Bewertungen stellen eine Gefahr für unsere Gesellschaft dar, die unabhängige Medien („Lügenpresse“) und sachlich arbeitende Politiker („Elite“) diffamieren. Schlussendlich wird eine Verleumdung der Demokratie und ihrer Kontrollmechanismen daraus, der wir entschieden begegnen müssen.

Quelle: “Grobe Gereiztheit” von Bernhard Pörksen (Die Zeit; 12. 4. 2018)

Kommentare geschlossen.