Schulgeschichten III

3. Wandlungen – Sich selbst und die Umstände verändern

von Reinhold Miller

jf – In der Institution Schule gibt es Vorschriften und Gewohnheiten, Regeln und klare Abläufe. Die Beispiele reichen von vorgeschriebener Unterrichtszeit bis zur Hausordnung. Auf den ersten Blick erscheint das starr, unbeweglich und in Stein gemeißelt. Nicht selten muss sich Schule Schwerfälligkeit vorwerfen lassen.

Inwiefern Schülerinnen und Schüler ihre Schulzeit erleben oder doch mehr erleiden, hängt stark davon ab, welchen Lehrkräften sie sich ausgeliefert sehen. Und, wie es beiden Seiten gelingt, das tägliche Miteinander in einem konstruktiven Sinne zu gestalten. … weiter

 

Bisher von Reinhold Miller in AUSWEGE veröffentlichte Aufsätze:

Schulgeschichten I. Die Welt in den Köpfen der Kinder – Individuelle Konstruktionen der Wirklichkeit

Schulgeschichten II. Auf sich und andere achten

 

Wir brauchen Eure Fantasie, Eure Leidenschaft, Euren Widerspruch!

Wie die Jugend für politisches Engagement zu gewinnen ist

von Johano Strasser

Auf den ersten Blick haben junge Menschen im heutigen Deutschland alle Chancen der Mitwirkung, die man sich nur wünschen kann. Die Meinungsfreiheit steht nicht mehr nur im Grundgesetz, sondern wird mittlerweile auch von einer überwältigenden Mehrheit der Deutschen akzeptiert. Kritik gilt nicht mehr wie oft noch in den 50er Jahren als Majestätsbeleidigung, eine Demonstration nicht mehr von vornherein als öffentliche Ruhestörung. In den Partei- und Gewerkschaftshäusern stehen die Türen weit offen, die Parteien buhlen geradezu um die Jugend.

Woran liegt es dann also, dass dennoch heute so wenig junge Leute die Mitwirkungsangebote der Demokratie wahrnehmen, dass insbesondere die Parteien es so schwer haben, junge Leute zur Mitarbeit zu bewegen? … weiter

Brutal Simplifiers

oder von einem toten Pferd sollte man besser absteigen

von Rolf Staudt

gsf – Immer weniger Menschen beteiligen sich an demokratischen Prozessen. Es fehlt echte Kommunikation in der globalen digitalen Weltgesellschaft. Im Gegenteil: Ausgeschlossensein und Ohnmachtserfahrungen greifen die Würde und Selbstbestimmung der Menschen an. Statt im postdemokratischen Zustand unserer Gesellschaft zu verharren, müssen wir – unsere Gesellschaft und deren demokratische Institutionen – den Weg zu einer neuen Demokratie wagen.

Innovationen müssen dabei den Weg von unten nach oben gehen, die Menschen müssen in ihrer Kompetenz respektiert und ihre Bedürfnisse dürfen nicht mehr dem Funktionieren der Organisation untergeordnet werden. Für die Schule heißen diese Bedingungen: Neues Lernen in kommunikativen, kreativen, lateralen Prozessen.

Rolf Staudt hat einen grundlegenden, aber leicht verständlichen Aufsatz geschrieben und verarbeitet in ihm u.a. die Erkenntnisse des US-Soziologen Richard Sennett (Sennetts Arbeitsschwerpunkte: Vereinzelung, Orientierungslosigkeit und Ohnmacht der Menschen, instabile Beziehungen und die Ausübung von Herrschaft)  und Colin Crouch (britischer Soziologe, eine seiner Thesen: Die heutigen Demokratien nähern sich dem Zustand der Postdemokratie an und der Einfluss der privilegierten Eliten nimmt zu.).

Überarbeitete Fassung v. 27.5.2011:

Die Thesen dieses Aufsatzes sollten uns alle angehen. Wir empfehlen: Dringendst lesen!

©Foto: Gerd Altmann / www.pixelio.de

 

Weitere Aufsätze von Rolf Staudt im Magazin AUSWEGE:

Macht – Machtlosigkeit – Hilflosigkeit – Gewalt

Enteignetes Bewusstsein!

“Zwischen diesen Deckeln liegt weder Fisch noch Fleisch”

Wir brauchen eine Schule für Lebenskunst!

 

Ausstieg aus der Computerspielsucht

"Ich hab's endlich geschafft!"

gsf – Der Redaktion wurde eine Art „Coming Out“ zugesandt. Anton, von Beruf Mediziner, ist der Spielsucht verfallen und beschreibt nun seinen erfolgreichen Ausstieg – nach 6 Jahren Sucht.

Uns hat vor allem sein „öffentliches Bekenntnis“ beeindruckt. Manche mögen es als ein Eingeständnis der Schwäche bezeichnen, – wenn man die Leistungsideologie unserer Gesellschaft zugrundelegt, – für uns ist es ein Zeichen von Stärke. Anton hat sich eine neue Autonomie und ein neues „Selbstbewusstsein“ erarbeitet. … lesen

Mehr Sport – weniger Gewalt

Mitteilung: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Eine aktuelle Studie der Universität Würzburg hat das Bild von Jugendlichen in den Medien untersucht. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt: Gewalt ist kaum noch ein Thema, stattdessen treten Beruf, Sport und Politik in den Vordergrund.

Ob Schlägereien in U-Bahnen, exzessiver Alkoholkonsum oder übermäßige Mediennutzung: Jugendliche haben in der öffentlichen Wahrnehmung nicht den besten Ruf. Umso überraschender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung an der Uni Würzburg. Die Analyse von 145 Zeitungsberichten über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg zeichnet ein unerwartet positives Bild Heranwachsender. … weiter

Quelle: PM v. 12.5.2011 – Uni Würzburg / idw

Oral History: Lebenswege einer jüdischen Familie

Unterrichtsmaterial für Deutsch, Geschichte, Ethik ab FöS/HS 8

gsf – Die Familie Chotzen ist eine jüdische Familie in Berlin. Wie die Familie mit Ausgrenzung und Demütigung umgeht und was den Chotzens in den Jahren des Holocaust widerfährt, erzählt die Website http://www.chotzen.de .

Zahlreiche Fotos und Briefe der Chotzens, Filme, kurze Texte und längere Erzählungen mit Bildern und Ton (Zeitreisen) gewähren einen tiefen Einblick in das Leben der Familie.

Die Materialien sind sehr gut präsentiert, leicht bedienbar, verständlich, exemplarisch, konkret, anschaulich. Besser geht's nicht mehr.

Auf der Seite "Geschichten" werden Lebenswege beschrieben:

  • "Eine ganz normale Familie"
  • "Blonde, sportliche Männer" (4 blonde, sportliche Männer mit Judenstern …)
  • In der Weimarer Republik
  • Anpassung und Widerstand (Nazizeit)
  • Das Leben danach (Nachkriegszeit)

In der Rubrik "Zeitreisen" finden sich Berichte in Bild und Ton zum Selbststudium für Schüler.

In der Rubrik "Mediathek" kann man Filme und Bilderalben ansehen, u.a. zu folgenden Themen:

  • Juden in Deutschland vor 1914
  • Antisemitismus
  • Sport und Freizeit
  • u.a. mehr

Wer steckt hinter der Seite: Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums mit Unterstützung der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz.

Dank an die Macher: Hervorragende Webseite für Unterricht und Selbststudium http://www.chotzen.de

 

Der Glanz im Kameraauge

 U-Bahn-Attacke als neues „Modell des Fehlverhaltens“

von Götz Eisenberg

gsf – Dezember 07: Die Münchner U-Bahn-Attacke. Zwei junge Männer traten auf einen 76-jährigen pensionierten Schuldirektor ein. Im Januar 2008 schlugen zwei Siebzehnjährige auf den Lokführer ein, als der die beiden Randalierer zur Vernunft bringen wollte. September 09: Dominik Brunner wurde auf einem Bahnsteig der Münchener U-Bahn von einem Siebzehn- und einem Achtzehnjährigen so brutal geschlagen, dass er kurze Zeit später starb. April 2011: Ein achtzehnjähriger Gymnasiast hat im im U-Bahnhof Friedrichstraße einen 29-jährigen Mann schwer verletzt.

Götz Eisenberg beschreibt anhand dieser Fälle ein neues „Modell des Fehlverhaltens“

Wenn man Frust schiebt und sich unwohl fühlt in seiner Haut, wenn man irgendwie auf Krawall gebürstet ist, dann geht man in die Stadt zum nächsten U- oder S-Bahnhof und schlägt und tritt wie von Sinnen auf einen wildfremden Menschen ein. Man kann sicher sein, dass dort Kameras laufen, die Szene mitgeschnitten wird und über kurz oder lang ins Internet gelangt. Eine gewisse mediale Resonanz und traurige Berühmtheit ist einem sicher.

und zeigt sowohl den Zusammenhang zwischen der Komplizenschaft der Medien mit dem Opfer als auch die Förderung der Akzeptanz von Gewalt als Modus der Lösung von Konflikten.

Sein Essay stellt am Schluss die Frage

Was vermag die Mühe von Sozialarbeitern, Lehrern, Sozialpädagogen dagegen auszurichten, dass Kinder und Jugendliche erleben, dass vom Kindergarten, über die Schule bis hin zum Arbeitsmarkt das Gesetz des Stärkeren und der rücksichtslosen, aggressiven Selbstbehauptung gilt?

Eine brennende Frage, mit der wir uns unbedingt beschäftigen sollten.

Den ganzen Aufsatz lesen

©Foto: Alan Rainbow / www.pixelio.de Weiterlesen

„Wie schön das doch wäre, aber…“

Rezension des Buches „Lernen geht anders. Bildung und Erziehung vom Kinde her denken“ von Remo H. Largo

von Anja Arneth

Im Diskurs zum Bildungsnotstand unserer Gesellschaft lassen sich auf´s gröbste abstrahiert zwei Lager unterscheiden: Entweder brauchen Kinder „mehr Disziplin“ oder Erziehung muss „vom Kinde aus“ neu gedacht werden. Da nahezu jeder glaubt, etwas zu dieser Diskussion beitragen zu können, ist sie unübersichtlich geworden und kann hier nicht in all ihren Ausprägungen wiedergegeben werden.

Ein viel beachteter Mitredner in der aktuellen Erziehungsdebatte ist der Sachbuchautor und emeritierte Professor für Kinderheilkunde Remo H. Largo. … weiter

 

Woran erkennt man Neonazis?

Steckbriefe und Enttarnungen als Kritikersatz

GegenRede 15 von Freerk Huisken

Nicht nur der Verfassungsschutz, auch die Bundeszentrale für politische Bildung, Landesregierungen, viele der Volksparteien, Gewerkschaften und auch einige Antifa-Bündnisse führen den Kampf gegen Neonazis und Skins als deren Identifizierung. Jungen und alten Deutschen wird mit vielfarbigem Aufwand gezeigt, woran sie diejenigen erkennen können, auf deren Propaganda sie nicht hereinfallen sollen. … weiter

Alle bisher erschienenen GegenReden ansehen

Artikel zum Thema Neofaschismus

Man muss den Kaktus nicht küssen und umarmen, aber auch nicht auf ihn scheißen! 2. Teil

Oder: Der Kalte Krieg der Aufgeklärten

von Brigitte Pick

gsf – Die Integrationsdebatte artet zur Hysterie aus. Terroranschläge für Deutschland werden vermutet. Das Land rüstet auf. Der Berliner Innensenator Körting(SPD) ließ sich zu folgendem Satz in einem Fernsehinterview hinreißen: „ Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man, glaube ich, schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.“

Im 2. Teil ihres Aufsatzes schreibt Brigitte Pick über Deutschenfeindlichkeit und Rassismus, über ausländische Jugendliche, die, wie in den französischen Vorstädten und amerikanischen Ghettos, ihre Verdienstmöglichkeiten in Drogen- und anderen illegalen Geschäften suchen, über die Entwürdigung der arabischen Kinder in unseren Schulklassen, über die Diskriminierung ihrer Eltern, über den Überlebenskampf und die Anpassung an die bundesdeutsche Gesellschaft. 

Im Gegensatz zur heißen (aber gefährlichen) Luft des Zahlenfetischisten Sarrazin weiß Brigitte Pick, wovon sie spricht. Anhand unzähliger Beispiele zeigt sie auf, dass die Realität der Marginalisierten anders aussieht als Rechte und sonstige Spießer uns glauben machen wollen.

Brigitte Pick wurde von der Schulaufsicht vorgeworfen, dass sie den Menschen für zu gut hält. Zum Glück, so meinen wir, ist Brigitte Pick von der Kraft des Guten überzeugt… Den zweiten Teil des Aufsatzes lesen

Den ersten Teil downloaden

 

Weitere Aufsätze von Brigitte Pick im Magazin AUSWEGE über 

Integration – Ausländerfeindlichkeit – Gemeinschaftsschule – Toleranz – Sozialdarwinismus – Marginalisierte und unsere Hilfslosigkeit – Rassismus – Armut – Spießertum – Mittelschicht – Gewalt

und die Rezension von Brigitte Picks erstem Buch

Wer PISA nicht versteht, muss mit RÜTLI rechnen

 

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