von Götz Eisenberg

„Es genügt nicht, dass der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die Wirklichkeit muss sich selbst zum Gedanken drängen“, heißt es beim frühen Marx. Dieses Zitat aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie fiel mir ein, als ich über den rätselhaften Höhenflug nachdachte, den die Partei Die Grünen derzeit erlebt.

Über diesen wird viel spekuliert und phantasiert. Die meisten Kommentatoren neigen dazu, ihn für einen Hype zu halten, ein typisches Phänomen des Medien- und Internetzeitalters. Auf ihrer ständigen Suche nach Sensationen bemächtigen sich die Medien eines Themas und verschaffen diesem auf diese Weise eine große Aufmerksamkeit, die so lange währt, bis sie sich auf das nächste Thema stürzen.

Einiges spricht dafür, dass der Höhenflug der Grünen mehr ist als das. Er wird von objektiven Tendenzen gespeist, die sich hinter dem Rücken der Akteure durchsetzen und ihnen selbst nicht einmal bewusst sein müssen. Ich will versuchen zu ergründen, welche Wirklichkeit sich zum grünen Gedanken drängt. … weiter


Hinweis: Bei dem Text handelt es sich um eine überarbeitete und erweiterte Fassung eines Artikels, der am 5. November auf den Nachdenkseiten erschienen ist.


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24. März 2018 · Kommentare deaktiviert für „Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat“ – Vor 50 Jahren wurde Rudi Dutschke Opfer eines Attentats · Kategorien: Standpunkte und Kommentare · Tags: ,

Götz Eisenberg hat in den Nachdenkseiten einen Text über das Dutschke-Attentat veröffentlicht, das sich am 11. April 2018 zum fünfzigsten Mal jährt.  Eine Empfehlung an unsere Leser_innen:

Am Gründonnerstag, dem 11. April 1968 schoss ein junger Rechtsradikaler auf Rudi Dutschke und verletzte ihn schwer. Dutschke hatte Kopf und Leidenschaft der antiautoritären Bewegung verkörpert. Der Anschlag auf ihn wurde zum Auslöser der sogenannten Osterunruhen und setzte die Gewaltfrage auf die Tagesordnung.

Die Bewegung verlor ihre spielerische Leichtigkeit und Heiterkeit und zerfiel kurz darauf. Das freibeuterische Denken der Revolte und ihr libertärer Sozialismus wichen einer Rückkehr zu einer sterilen Orthodoxie und geschichtlich überholten Vorstellungen von Klassenkampf und parteiförmiger Organisation. Den ganzen Text lesen

Anmerkungen zu einer Sendung über das Bienensterben

von Götz Eisenberg

Am Montagabend ging es in der Sendung Hart aber fair um die prekäre Lage der Bienen und den Einsatz von giftigen Spritzmitteln in der Landwirtschaft, in dem Fachleute eine Hauptursache für das Bienensterben sehen. Herr Plasberg, der Moderator der Sendung, entschuldigte sich mehrfach dafür, dass man sich in einer politischen Talkshow mit einem derartigen Thema befasse und bat die Zuschauer, trotzdem dranzubleiben und nicht wegzuzappen. Als gebe es etwas Politischeres als das Thema Bienensterben! Vermeintliche Naturkatastrophen sind schon lange keine unpolitischen Ereignisse mehr. Heutige Wirbelstürme und Überschwemmungen sind so natürlich wie ein Börsencrash. Die Schicksalshaftigkeit solcher Ereignisse ist bloßer Schein, in Wirklichkeit sind sie gesellschaftlich produziert und von Menschen gemacht. … weiter


 

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06. März 2018 · Kommentare deaktiviert für Das Flüstern des Windes im Schilf oder: Vom Nutzen des Nutzlosen · Kategorien: Standpunkte und Kommentare · Tags: , , , , , , ,

von Götz Eisenberg

„IWF WB GATT WTO NAFTA FTAA – ihre Akronyme kotzen Sprache,
und was sie tun, erstickt die Welt.“
(John Berger: A und X)

Um nach Kommentaren zu meinem Text über die Russische Revolution zu schauen, scrollte ich dieser Tage durch den Blog Hinter den Schlagzeilen. Mein schweifender Blick blieb an einer Überschrift hängen, die Stille macht schlau lautete. In der Anmoderation des Artikels hieß es: „Stille ist eine knappe Ressource. Dabei beweisen Studien, dass Stille das Wachstum neuer Gehirnzellen und das Ruhezustandsnetzwerk im Gehirn anregt.“

Diese paar Zeilen genügten, um mich auf die Palme zu bringen. Allein das Wortungetüm „Ruhezustandsnetzwerk“ müsste ausreichen, einen halbwegs sensiblen Menschen in die Flucht zu schlagen. Was für eine verdinglichte Terminologie, was für ein grauenhafter ökonomistischer Neusprech, ärgerte ich mich, und las erst einmal nicht mehr weiter. … weiter


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Wozu nationale Identität?

von Götz Eisenberg

Zeiten der Krise lassen den privaten Wahn und die Idiosynkrasien üppig ins Kraut schießen. Der forcierte gesellschaftliche Wandel lockert traditionelle Anpassungsgefüge und lässt lebensgeschichtlich erworbene Orientierungsmuster und Modi der Selbstwertregulation hinfällig werden.

Das wachsende Auseinanderklaffen der lebensgeschichtlichen Prägungen und aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen macht krank und verrückt: Menschen, die an tradierten Denk- und Verhaltensmustern festhalten, die von außen nicht mehr gestützt und bestätigt werden, geraten schnell in eine Position abseitiger Starrheit, die wahnhafte Züge annehmen kann. Der Wahnsinnspegel innerhalb der Bevölkerung steigt, bis eines Tages einer kommt und den Privatwahn zum Prinzip erhebt und politisch in Gang setzt.

Der Privatwahn verschwindet in der Verrücktheit des Ganzen. Dem einzelnen Halbirren wird, nach den Worten von Ernst Simmel, auf diese Weise erspart, ein ganzer zu werden. Die Menschen, jene kleinen überspannten Säugetiere, über die die Katastrophe des Denkens hereingebrochen ist, haben das unabweisbare Bedürfnis, sich in Raum und Zeit, Geschichte und Gesellschaft zu lokalisieren, eine Ortsbestimmung ihres Lebenszusammenhangs vorzunehmen. … weiter


 

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Leseempfehlung:
Götz Eisenberg hat im Juli 2017 in der Tageszeitung “Junge Welt” einen zweiteiligen Artikel über Ängste und Neurosen geschrieben.

 Teil 1: Dunkelkammern des Ich

 Teil 2: Im Abseits

Über die Aneignung linker Energien von rechts

von Götz Eisenberg

„Die Menschheit befindet sich in der Krise –
und es gibt keinen anderen Ausweg aus dieser Krise
als die Solidarität zwischen den Menschen.“
(Zygmunt Bauman)

„Der Mensch wird – in dieser Gesellschaft –
überflüssig, vorher schwinden seine Fähigkeiten.“
(Max Horkheimer)

Erich Kästner hat 1958 in Hamburg anlässlich des 25. Jahrestages der Bücherverbrennung eine Rede gehalten, in der es heißt: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden mWarenüssen. Danach war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben.“

Dieser Passus enthält Handlungsanweisungen für diejenigen unter uns, die in Deutschland und Europa die Gefahr einer Faschisierung erkennen. Wir müssen uns dringend um linke Aneignungsformen von Energien, Sehnsüchten, Ängsten und Leidenserfahrungen bemühen, die sich sonst die Rechten unter den Nagel reißen, um sie nach rückwärts in Gang zu setzen. Wenn es den Faschisten und Rechtspopulisten gelingt, wie in den Jahren vor 1933, die real existierende kapitalistische Entfremdung in die völkische Schimäre der Überfremdung zu verwandeln, werden wir Zeugen einer Faschisierung – mit Migranten, Flüchtlingen und Linken in der Rolle der Sündenböcke und Opfer. … weiter


 

 → Download der Printfassung (kleinere Schrift)

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18. Januar 2017 · Kommentare deaktiviert für Der gekränkte kleine Junge und die digitale Welt · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , , , ,

Ein Kommentar von Götz Eisenberg

In der Sonntagsausgabe der FAZ, die diesmal wegen der Wetterverhältnisse erst am Montag ausgeliefert wurde, las ich einen Artikel über das Twittern von Donald Trump. Nachdem  Mitte Dezember ein chinesisches Kriegsschiff eine amerikanische Forschungsdrohne beschlagnahmt hatte, protestierte das Pentagon und es folgten Verhandlungen über die Rückgabe der Drohne. Zwei Tage nach dem Vorfall setzte der gewählte Präsident Trump folgenden Tweet ab: „China stiehlt in internationalen Gewässern eine Forschungsdrohne der US-Navy – reißt sie aus dem Wasser und nimmt sie in einem präzedenzlosen Akt mit nach China.“ Staat „unprecedented“ hatte Trump zunächst „unpresidented“ geschrieben, und diesen Verschreiber finde ich viel interessanter als den Sachverhalt selbst. Weiterlesen »

20. November 2016 · Kommentare deaktiviert für „Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst“ · Kategorien: Lesezeichen, mens sana in corpore sano · Tags: , , , ,

eisenberg_arbeitswut_und_ueberfremdungangstEine Rezension des gleichnamigen Buches von Götz Eisenberg

von Heinz Kreiselmeyer

Anfang Juli erschien unter dem Obertitel „Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst“ der zweite Band von Götz Eisenbergs „Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“. Über den ersten Band schreib Matthias Dell: „Eisenberg kommt aus einer Zeit, in der der Himmel die Grenze des Denkens war. Sein an der Kritischen Theorie geschulter Blick nimmt die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite in den Blick.“

So ist es auch diesmal. Die im zweiten Band versammelten Texte stammen aus den letzten Jahren und sind zum größten Teil auf den Nachdenkseiten oder im Online-Magazin Auswege bereits erschienen. … Sie schlagen einen Bogen vom Attentat von Sarajevo, über das Pegida- und AfD-Unwesen, den Flugzeug-Amok in den französischen Alpen, die Debatten um den Verbleib Griechenlands in der Europäischen Union bis hin zu dem, was man als “ islamistischen Terror“ und „Flüchtlingskrise“ bezeichnet…. weiter


zur Rezension des ersten Bandes von Götz Eisenberg: “Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus”

 

von Götz Eisenberg

mosaik_eisenbergVor rund einem Jahr fiel Merkels berühmter Satz „Wir schaffen das!“ Die Euphorie der Willkommenskultur ist schnell verflogen, die geflüchteten Menschen sind geblieben. Die Auseinandersetzung, wie mit ihnen umgegangen werden soll, spaltet zunehmend die Gesellschaft. Die auftretenden Schwierigkeiten und Zwischenfälle mit Migranten leiten Wasser auf die Mühlen der Rassisten und Rechtspopulisten. Am Beispiel eines kleinen nordhessischen Dorfes und einer dort untergebrachten afghanischen Familie berichtet der Autor von den Höhen und Tiefen des Integrations-Alltags … weiter

©Foto: Das Mosaik by Götz Eisenberg, Lizenz: CC BY-NC 3.0 DE


unterrichtstippEinsatz im Unterricht:

Der Text kann ab der 8./9. Klasse (ab HS/MS) sehr  gut im Unterricht der Fächer Ethik, Rel., D, G, Ek, Soz. eingesetzt werden. Die nachfolgende zum Download angebotenen Fassungen haben Zeilennummern und ausführliche methodisch-didaktische Hinweise inkl. Arbeitsaufträge. Weiterlesen »

14. Oktober 2016 · Kommentare deaktiviert für „Es ist besser, stehend zu sterben, als kniend zu leben! No pasarán!“ · Kategorien: Peripherie · Tags: , , , , ,

Eine Collage zum Spanischen Bürgerkrieg, der vor 80 Jahren begann

von Götz Eisenberg

Die Sätze des Titels stammen nicht, wie wahrscheinlich viele vermuten, von den Böhsen Onkelz, sondern von der spanischen Kommunistin Dolores Ibarruri, die besser bekannt ist unter dem Namen La Pasionaria. Sie fallen am Ende einer Rundfunkansprache, die sie am Abend des 18. Juli 1936 gehalten hat. Dort schleuderte sie den Faschisten einen Fehdeschrei entgegen: „No pasarán!“, „Sie werden nicht durchkommen!“, der in ganz Spanien widerhallte und zum Schlachtruf der Linken im Spanischen Bürgerkrieg wurde, später der lateinamerikanischen Guerilla. Als „sie“, die Faschisten, doch durchgekommen waren, konnte sich La Pasionaria nach Frankreich und später in die UdSSR retten. Sie wurde Generalsekretärin und Vorsitzende der spanischen Exil-KP. Nach dem Tod des Diktators Franco kehrte Dolores Ibarruri 1977, mit über 80 Jahren, in ihre Heimat Asturien zurück.

Götz Eisenberg hat in seiner Collage nicht nur historische Fakten, Hintergründe und Ursachen des spanischen Bürgerkrieges zusammengetragen, sondern räumt dem “freiheitlichen spanischen Anarchismus” und den Spannungen zwischen Sozialdemokraten und stalinistischen Kommunisten auf der einen Seite und den dissidenten Kommunisten und Anarchisten auf der anderen Seite großen Raum ein. Es geht unter anderem um die stalinistische Unterdrückung in den Internationalen Brigaden und um das, “was den Anarchisten häufig fehlte: Disziplin”.  

Aufgrund der vielen konkreten Beispiele lässt sich der Text auch sehr gut im Geschichtsunterricht der Oberstufe des Gymnasiums einsetzen.  Weiterlesen »