22. Dezember 2016 · Kommentare deaktiviert für Die Mühsal der Eigenverantwortung · Kategorien: Kultur- und Lebenswege, Standpunkte · Tags: , , , , , ,

von Stefan Oehm

Im August 1975 kam es in Erfurt zu gewalttätigen Übergriffen auf algerische Vertragsarbeiter. Ein fremdenfeindlicher Vorfall, der von der Führung der DDR ebenso unter den Tisch gekehrt wurde wie der Mord an zwei Kubanern in Merseburg 1979 und all die anderen Taten, die sich dort in den 70er und 80er Jahren ereigneten. Es konnte ja nicht sein, was nicht sein durfte. Schließlich baute man in internationaler Solidarität gemeinsam am großen proletarischen Projekt „Sozialismus“. Und da hatte man längst jene völkisch-atavistischen Denk- und Verhaltensstrukturen überwunden, die dem kapitalistischen Bruder im Westen noch zu eigen waren.

Denkste. Wo keine selbstkritische Aufarbeitung stattfindet, kann auch nichts überwunden werden. Das Gegenteil war der Fall: Diese Denk- und Verhaltensstrukturen überlebten und manifestierten sich in weiten Teilen der Bevölkerung unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. … weiter

 

Weitere Texte von Stefan Oehm im Magazin Auswege

 

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Aktueller Hinweis v. 17.12.2016: Der Vivaldi-Browser liegt jetzt in der stabilen Version 1.6 (1.6.689.34 ) vor. Siehe die Ergänzung am Ende des Berichts


Testbericht: Günther Schmidt-Falck

Der Vivaldi-Browser, sehnsüchtig von vielen Usern erwartet, nimmt langsam Gestalt an. Er liegt im 4. Technical Preview vor. Ein bisschen in der Entwicklung weiter sind die ständig aktualisierten Snapshots. Zum Zeitpunkt dieses Berichts kann der Snapshot 1.0.300.5 heruntergeladen werden. In den Snapshots werden stückchenweise die Fehlerverbesserungen und neue Entwicklungen präsentiert.

Die Entwicklung des Vivaldi ging vom ehemaligen Boss und Mitgründer von Opera, Jon Stephenson von Tetzchner, aus.  Ende 2013 wurde Vivaldi als userfreundlicher, sicherer und schneller Browser ins Leben gerufen. Derzeit arbeiten 31 Programmierer, Techniker, Übersetzer, Tester usw. unter der Leitung von Jon Stephenson von Tetzchner (CEO) aus USA, Island, Norwegen, Finnland und Tschechien zusammen.

Für viele User könnte der Vivaldi die Alternative sein, denn: Chromium sei zu nahe an Google dran, der neue Opera-Browser gefällt vielen nicht und Firefox gilt als zu schwerfällig und langsam. Die Erwartungen an Vivaldi lesen sich in etwa so: schnell, sicher, kein Datenmissbrauch, eMail-Klient, individuell einstellbar, gut ausgestattet und gesicherte Weiterentwickkung, um die wichtigsten Forderungen zu nennen. Es scheint, dass Vivaldi sie erfüllt. Weiterlesen »

07. Dezember 2016 · Kommentare deaktiviert für Über die unselige Testeritis im Bildungsbereich als Grundlage für das „ Armenbashing“ · Kategorien: Essenzen aus Pädagogik & Psychologie, Standpunkte · Tags: , , , , , ,

von Brigitte Pick

„Hoch motiviert, weniger erfolgreich“  lautet eine der Schlagzeilen zum Ergebnis des Leistungsvergleichs der Viertklässler im internationalen Vergleich, der TIMS Studie (Trends in International Mathematics and Science Study). Schon 2007 und 2011 fiel Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Auf den vorderen Rängen bewegen sich asiatische Länder sowie Russland. Mantraartig wird auf die sozialen Disparitäten hingewiesen, ohne dass sich irgendetwas ändert. Der soziale Hintergrund hängt Schüler im Bildungsbereich ab. …

Am 6. Dezember wurde die neue Pisa-Studie veröffentlicht, die eigentlich- so Schleicher- der Frage nachgeht, ob der Schule gelingt, eine wissenschaftlich gebildete Generation zu erziehen und wie die Zukunftschancen von benachteiligten Jugendlichen verbessert werden können. Verrät das schon eine Missachtung der Arbeiter und des Handwerks? … weiter


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weitere Aufsätze von Brigitte Pick

Rezension von Günther Schmidt-Falck

aerzteohnegrenzen-schuelerbroschuereDie Hilfsorganisation ärzte ohne grenzen e. V. stellt auf ihrer Seite umfangreiches Unterrichtsmaterial aus ihren Arbeitsbereichen für den Einsatz in 5. und 6. Klassen bereit.

Ziele:
Im Vorspann des Begleitheftes für SchülerInnen heißt es dazu:
„Es ist uns von ärzte ohne grenzen sehr wichtig, bereits Kinder mit dem komplexen Thema humanitäre Hilfe und der Arbeit von ärzte ohne grenzen vertraut zu machen. Kinder bekommen humanitäre Krisen in ärmeren Ländern nicht zuletzt durch die Medien mit und bleiben oft mit einem Ohnmachtsgefühl zurück.
Durch dieses Medienpaket möchten wir aufzeigen, wie konkret geholfen werden kann. Unser Ziel ist, dass bereits Kinder lernen, „über den Tellerrand zu blicken“. Wir möchten Solidarität mit Menschen wecken, denen es weniger gut geht. Denn wir sind überzeugt: Hilfe beginnt im Kopf. Die Materialien sind für globales Lernen und politische Bildung geeignet.“

Einsatz:
Ab 5./6. Klasse in Gemeinschaftskunde, politische Bildung, Erdkunde, Sozialkunde, Religion, Ethik. Auch für Jugendliche in weiten Teilen geeignet.

Das Lernmaterial:
Mit dabei sind eine DVD, ein SchülerInnenbegleitheft  und LehrerInnenmaterial mit did.-meth. Hinweisen. Für die Bearbeitung durch die SchülerInnen gibt es Arbeitsblätter, z.B.

  • ein Quiz (umfasst große Teile des Lernstoffes)
  • Arbeitsaufträge für Gruppenarbeiten (Bezug zu den Übungen)
  • Übungen: Medizinische Hilfe und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. ein Experiment zum Filtern von Wasser, Impfaktionen, Mangelernährung, medizinische Hilfen, Plakatentwurf usw.)

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02. Dezember 2016 · Kommentare deaktiviert für Dem Saar sein Spinoza · Kategorien: Essenzen aus Pädagogik & Psychologie · Tags: , , ,

So geht moderne Geisteswissenschaft, Teil II: „Immanenz der Macht“

von Georg Schuster

„Negris Spinoza ist in der Tat einzigartig – und
zunächst kaum wiederzuerkennen.“ (Martin Saar)

Zur Erinnerung: Anlass für die zwei Teile dieses Aufsatzes (Teil I findet sich hier:
www.magazin-auswege.de/data/2016/11/Schuster_Dem_Saar_sein_Nietzsche.pdf)
war mein Interesse, nach einer recht langen Zeit der Abwesenheit aus Deutschland wieder einen Einblick in sein universitäres Geistesleben zu gewinnen. In dieser Absicht ging ich dem Literaturhinweis eines Alternativseminars in Frankfurt vom Sommersemester 2016 nach: Saar, Martin: Genealogie als Kritik. Geschichte und Theorie des Subjekts nach Nietzsche und Foucault. 2007. Davon handelte der erste Teil.

Teil II befasst sich nun mit einem weiteren Werk, genauer der überarbeiteten Habilitationsschrift des Leipziger Professors für Politische Theorie und Didaktik der Gemeinschaftskunde: Die Immanenz der Macht. Politische Theorie nach Spinoza. 2013 (nachfolgend mit IdM abgekürzt).

Damit, dass mir ausgerechnet Herr Saar in den Blick geraten ist, hat es keine besondere Bewandtnis. An seinem Fall lässt sich lediglich etwas ‚Orientierungswissen‘ über die Strickmuster im zeitgemäßen bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb vermitteln, wie dies auch bei anderen Repräsentanten einer modernen Hochschullehrerschaft möglich wäre. Dass daraus keine leichte Lektüre resultiert, liegt an der Sache.

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27. November 2016 · Kommentare deaktiviert für Die produktive Kraft der Kultur · Kategorien: Kultur- und Lebenswege · Tags: , , ,

von Stefan Oehm

graffiti-by_qimono_pixabay_cc0In Düsseldorf kämpft gerade ein Ballettchef um sein Ballett. Ein Theaterintendant um sein Theater. Das Opernhaus um die Oper. Und die Museumsleiter um den Bestand der städtischen Museumslandschaft.

Völlig legitim – und doch befremdlich. Denn man wird das Gefühl nicht los, dass hier ein jeder angesichts klammer öffentlicher Kassen wie das Karnickel auf die Schlange starrt und versucht, seinen eigenen Beritt gegen finanzielle Begehrlichkeiten seitens der Stadt zu schützen.

Dabei, so scheint es, realisieren die Verantwortlichen nicht recht, dass es gar nicht so sehr um ihre Partikularinteressen, sondern um das Kulturschaffen als solches geht: um dessen gesellschaftliche Legitimierung. … weiter


©Foto: „graffiti“ by qimono, pixabay.com, Lizenz: CC0

25. November 2016 · Kommentare deaktiviert für Grundsätzlich herrscht eine freudige Lernatmosphäre · Kategorien: Deutsch, Flucht und Migration, Termine und Aktionen, Werkzeugkiste: · Tags: , , , , ,

Eine Unterrichtsmaßnahme für Asylbewerber-Mütter

von Hannelore Gerlach

Ich lebe in Burghausen und berichte von einer Unterrichtsmaßnahme für Asylbewerber-Mütter. Nachdem bemerkt wurde, dass Mütter mit kleinen Kindern aus allen Sprachgruppen fallen, hat sich hier eine Initiative gegründet.

Wir haben Ende 2015 den sogenannten Mütterkurs für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Eingeladen waren alle Mütter mit kleinen Kindern, die noch keinen Kindergarten oder Schule besuchen. … weiter

 

23. November 2016 · Kommentare deaktiviert für Zum Wahlsieg des Donald Trump · Kategorien: Peripherie, Standpunkte · Tags: , , , , ,

von Brigitte Pick

Randnotizen.gifDie Leitmedien übergießen das Land mit einem politisch korrekten Lamento ohnegleichen über das Desaster der Wahlen in den USA und den Sieg des Trumpschen Wahlteams, das mit den Bandagen des Reality TVs kämpfte und siegte.

donald-trump

Man spricht ihm sowohl Sinn als auch Verstand ab, ein Nichtswisser, ein Populist. Der Ku-Klux-Clan wird wieder durch die Straßen marschieren etc. Die weißen Amerikaner ohne Hochschulabschluss verschafften Trump den Sieg, wird als Vorwurf formuliert. Zurück zum Klassenwahlrecht ist die Alternative. … weiter

 


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weitere Aufsätze von Brigitte Pick im Magazin Auswege

20. November 2016 · Kommentare deaktiviert für „Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst“ · Kategorien: Lesezeichen, mens sana in corpore sano · Tags: , , , ,

eisenberg_arbeitswut_und_ueberfremdungangstEine Rezension des gleichnamigen Buches von Götz Eisenberg

von Heinz Kreiselmeyer

Anfang Juli erschien unter dem Obertitel „Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst“ der zweite Band von Götz Eisenbergs „Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“. Über den ersten Band schreib Matthias Dell: „Eisenberg kommt aus einer Zeit, in der der Himmel die Grenze des Denkens war. Sein an der Kritischen Theorie geschulter Blick nimmt die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite in den Blick.“

So ist es auch diesmal. Die im zweiten Band versammelten Texte stammen aus den letzten Jahren und sind zum größten Teil auf den Nachdenkseiten oder im Online-Magazin Auswege bereits erschienen. … Sie schlagen einen Bogen vom Attentat von Sarajevo, über das Pegida- und AfD-Unwesen, den Flugzeug-Amok in den französischen Alpen, die Debatten um den Verbleib Griechenlands in der Europäischen Union bis hin zu dem, was man als “ islamistischen Terror“ und „Flüchtlingskrise“ bezeichnet…. weiter


zur Rezension des ersten Bandes von Götz Eisenberg: „Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“

 

17. November 2016 · Kommentare deaktiviert für Dem Saar sein Nietzsche · Kategorien: Essenzen aus Pädagogik & Psychologie, Lesezeichen · Tags: , , , , ,

So geht moderne Geisteswissenschaft, Teil I: „Genealogie als Kritik“

von Georg Schuster

„Negris Spinoza ist in der Tat einzigartig – und
zunächst kaum wiederzuerkennen.“ (Martin Saar)

Negri (geb. 1933) heißt mit Vornamen Antonio, ist ein linker Politikwissenschaftler aus Italien und kommt in den beiden folgenden Texten nur am Rande (dafür in einem geplanten Aufsatz zum sog. Postkapitalismus ausführlicher) vor. Vom niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza (1632-1677) wird im zweiten Text die Rede sein. Und Martin Saar (Jg. 1970), Professor für Politische Theorie an der Universität Leipzig, gab zufälligerweise den Anlass zu diesen Ausführungen.

Seit meiner Rückkehr nach Deutschland* nutze ich die sich nun bietende Gelegenheit, schrittweise und genauer nachzusehen, was sich im universitären Geistesleben – auch bei den Studieninhalten für humanwissenschaftliche Lehrämter – inzwischen so tut oder getan hat.

Dabei geht es mir weniger um große Namen (Prof. Herfried Münkler von der Humboldt-Universität war hier 2015 mein Thema gewesen: www.magazin-auswege.de/2015/07/die-muenkler-watch), sondern eher um den akademischen Normalbetrieb. In dieser Absicht griff ich einen Literaturhinweis auf, den ich per Zufall im alternativen Veranstaltungsverzeichnis des Asta Frankfurt vom Sommersemester 2016 fand:
Saar, Martin: Genealogie als Kritik. Geschichte und Theorie des Subjekts nach Nietzsche und Foucault. Frankfurt/M./New York 2007: Campus. 380 Seiten.

Es handelt sich dabei um die überarbeitete Fassung einer Dissertation, die sich das Frankfurter Alternativseminar ganz freiwillig zu lesen vornahm. Und weil der Professor zudem für die Didaktik der Gemeinschaftskunde verantwortlich zeichnet, also davon auszugehen ist, dass Lehramtsstudierende an seinem Schrifttum auch nolens volens nicht vorbeikommen, sah ich mir auch noch seine editierte, ebenfalls bei einem ausgewiesenen Verlag erschienene Habilitation an:
Die Immanenz der Macht. Politische Theorie nach Spinoza. Berlin 2013: Suhrkamp. 460 Seiten.weiter


* Wer am Hintergrund dieser persönlichen Bemerkung interessiert ist, den verweise ich gerne auf meinen „pädagogischen Reisebericht“ bei AUSWEGE: www.magazin-auswege.de/2016/10/verkauft-nach-singapur.