Auge um Auge?

von Assunta Tammelleo

Das aktuell wohl medienwirksamste Thema der letzten Wochen ist der Kindesmissbrauch. Wie kaum ein zweites geeignet, das Volk in Aufregung, seine Seele zum Kochen und seine Stammtischbelegschaften zur Verbrüderung zu bringen. Schließlich gibt es doch kaum Verwerflicheres, Abscheulicheres, Gemeineres als der Missbrauch an Minderjährigen, Schutzbefohlenen, Hilflosen. … weiter

Quelle: Humanistischer Pressedienst

Integration an der Realschule – die beste Zeit in unserem Pädagogenleben

von Altrud Gönnert und Vicco Meyer

Das Thema einer GEW-Veranstaltung: Inklusion – dargeboten von Herrn Professor Wocke aus Hamburg, hat in uns beiden, Vicco Meyer und Altrud Gönnert, den Wunsch erweckt, etwas über die vier Jahre zu erzählen, die wir mit einer Integrationsklasse in Stade an der Realschule Süd von 1999 bis 2003 verbrachten.

Keineswegs mit wehenden Fahnen erklärte sich das Kollegium der Realschule mit nur einer Stimme Mehrheit bereit, das Wagnis einer Integrationsklasse ab 7. Klasse an einer „weiterführenden“ Schule zu unternehmen. … weiter

Zum Thema Odenwaldschule

Randnotizen.gifvon Günther Schmidt-Falck

Im Strudel der sexuellen und gewaltätigen Missbräuche an katholischen Einrichtungen blubbert nun auch erneut der Morast an einer weltlichen Schule, der Odenwaldschule, hoch. Als reformpädagogisches Vorzeigeprojekt von vielen (… den meisten von uns?) in den 70er und 80er Jahren mit feuchten Augen bestaunt, blättert nach den ersten massiven Schadensmeldungen Ende des 20ten Jahrhunderts nun auch noch 2010 der letzte Lack ab. Die Ikone der Reformpädagogik à la Wagenschein und Becker taugt nicht mehr recht zum Anbeten. Die ehemals “Guten” stehen in Gefahr, nun zu den “Bösen” gezählt zu werden. Weiterlesen

Ameisenhaufen

ant_sng.gifDie Schulinspektoren kommen – eine Anstalt verfällt in hektische Betriebsamkeit

von Gabriele Frydrych

"Als hätte man mit einem Stock in einen Ameisenhaufen gepiekt! Eine ganze Schule gerät in kollektive Lehrprobenstimmung. Gestandene Kollegen fragen ihre Fachbereichsleiter: „Kann ich so was machen?“ oder „Was ist eigentlich ein Portfolio?“ Seit vier Monaten ist bekannt, dass die Inspektoren kommen. …"

Gabriele Frydrych erzählt in ihrer entlarvenden Satire von der "Notlage" der KollegInnen, als eine Schulinspektion ins Haus steht: Stapelweises Kopieren, Briefing, existenzielle Hektik, beginnende Sinnkrisen, Schweißperlen … – ein Lehrkörper unter Druck. So isses eben, wenn Tester, Gutachter, Evaluatöre ins Haus kommen. Lesen Sie selbst!

Missverständnis „Chancengleichheit“

Logo GegenredeGegenRede 6

von Freerk Huisken

gsf – Freerk Huisken untersucht in seiner GegenRede Nr. 6 die “Chancengleichheit” in Schule und Bildung. Er kommt u.a. zu dem Schluss:

Chancengleichheit hat also mit vernünftiger Organisation des Lernens nichts zu tun. Im Gegenteil, sie steht für die schulische Unvernunft, die das Lernen als Leistungslernen, also als Konkurrenzveranstaltung zwischen allen Schülern einer Klasse oder eines Jahrgangs veranstaltet.

Er setzt dagegen:

Würde man jedem Schüler und jeder Schülerin zum Lernen des Unterrichtsstoffes soviel Zeit, dazu die Mittel und Hilfestellungen einräumen, die sie jeweils benötigen, dann hätte sich die Sache mit der Chancengleichheit erledigt. Zur Aneignung von Wissen und Kenntnissen braucht es nämlich keine Chancen und schon gar keine gleichen Chancen. Die stören dann nur. Es braucht nur Umstände, die den individuellen Bedingungen des Lernenden entsprechen.

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Alle bisher erschienenen GegenReden ansehen

Von Klassen- oder Rassenfragen?

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©Foto: Christoph Aron(pixelmaster-x)/www.pixelio.de

Anmerkungen zu den „ Überflüssigen“

von Brigitte Pick

gsf – Die AUSWEGE-Autorin hat sich diesmal die Marginalisierten, die  Überflüssigen genauer angesehen. Wer sind sie? Woher kommen sie? Wie geht es ihnen? Wie sieht ihre Zukunft aus?

Brigitte Pick beschreibt Diskriminierungen, fehlende oder missglückte Integrationsversuche, knöpft sich den unüberhörbaren Thilo Sarrazin vor, der “seine Genossen [von der SPD] gelegentlich erschreckt ”  und stellt fest, dass “Zahlen keine sachdienliche Aussage über den Integrationsprozess geben [können]”. In einem Ausblick erörtert sie die Parallelgesellschaften der Zukunft.

Ihr Aufsatz endet mit einem Ausblick in eben diese Zukunft:

In einigen Vierteln boomen die Sozialkaufhäuser, in anderen entstehen abgeschirmte und bewachte Gettos der Reichen, so genannte „green zones.“ Oder es entstehen Camping Plätze als Wohnquartiere wie in den USA zu besichtigen. Bisher kaschiert Camping Urlaub heute noch die eigene Verwahrlosung und nennt sich Erholung der unkonventionellen Art.

→ Und hier geht es zum Anfang des Aufsatzes.

→ Alle bisher erschienenen Aufsätze von Brigitte Pick

Replik: Der Bildungsstreik als Planspiel?

Replik.gifReplik auf den Kommentar „Planspiel Bildungsstreik“ von Joscha Falck, Magazin Auswege, 27.11.2009
von Michael Schmitt

gsf – "Mit dem Begriff des Planspiels beschreibt Joscha Falck die aktuellen Proteste der Studierenden im Bildungsstreik. Eine spannende Idee, wie ich finde, die nochmals die Möglichkeit gibt, diese vermeintliche Bewegung näher unter die Lupe zu nehmen." So beginnt der Autor seine Replik.

Im ersten Teil untersucht Michael Schmitt Merkmale und Einsatzgebiete des Planspiels. Er kommt zunächst zu dem Schluss, dass das Planspiel Probehandeln und Problemlösungen im sozialen System ermöglicht, fordert dann aber, dass Bildungskritik eine gesellschaftliche Utopie mitdenken muss.

Sein Resümee: "Die Ansätze, über eine Besetzung in größerem Maße Basisdemokratie einzuüben sind gut und benötigen Zeit. Jedoch sollte auch die inhaltliche Auseinandersetzung ausgeweitet werden, dahingehend, dass gesellschaftliche Mechanismen reflektiert und kritisiert werden."

Zum Schluss kritisiert der Autor trotz der berechtigten Kritik am Bildungssystem durch die StudentInnen "die quasifamiliären Beziehungen" unter den Besetzenden, die zum Teil auftretenden sexistischen und rassistischen Praxen und fragt nach dem Eventcharakter des Protests.

Der Text ist (Anm. gsf: im eigentlichen Sinne weniger eine Replik, denn) eine sehr interessante Erweiterung des ursprünglichen Kommentars "Planspiel Bildungsstreik". Wir sind gespannt, ob weitere Diskussionsbeiträge bei der Redaktion einlaufen. Den ganzen Text lesen


Kommentar "Planspiel Bildungsstreik" nochmals nachlesen

Ach, du lieber Schüler!

uniabschluss.gifGedanken zu schlechter Lehre, Kommunikationsdefiziten und Beziehungslosigkeit in der universitären Lehrerfabrik
von Niko Morgenthau

gsf – "Die Studenten von heute sind die Lehrer von morgen, insofern sie nicht das Handtuch schmeißen, bevor sie in ihrem Beruf angekommen sind. Diese simple Tatsache ist dennoch nicht der Maßstab, mit dem Lehramtsstudierende behandelt werden. Sie müssen vielmehr ein System von Leistungsdruck, Unpersönlichkeit und bürokratischen Hürden durchlaufen, ehe sie im Examen unter Beweis zu stellen haben, ob sie in der Lage sind, das staatlich verordnete Maß an Leidensdruck auszuhalten."

So beginnt der Autor seinen Aufsatz rückblickend auf sein Lehramstsstudium. Er hat's geschafft. Er bewegt sich "auf der anderen Seite", werkelt in der Praxis, stellt fest, dass er eigentlich zu wenig in seiner Ausbildung für den späteren Beruf gelernt hat von Leuten, die selber zu wenig qualifiziert sind.

AUSWEGE möchte mit der Veröffentlichung einen Fokus auf dieses Thema setzen. Wir veröffentlichen zwar eine Einzelmeinung, wissen aber sehr wohl, dass die meisten, die ein Hochschulstudium durchlaufen haben, Niko Morgenthaus Thesen bestätigen können. Und wer glaubt, das gilt nur für Lehramtsstudierende, der irrt gewaltig.

Ein autentischer Bericht, den mensch gelesen haben muss. … weiter

„Bildung darf keine Ware werden!“

Logo GegenredeWarum? Was haben Studierende gegen Geld und Waren?
GegenRede 5 von Freerk Huisken

Gedacht ist die Forderung als Polemik gegen die Einführung von Studiengebühren. Diese Gebühren erscheinen ihnen als Preis für eine Ware namens Bildung oder Ausbildung. Mit ihnen würde schnödes „ökonomisches Denken“ in einen Bereich einziehen, in dem es nichts zu suchen hat, in den Bereich der universitären Bildung. Bildung lasse sich nicht einpreisen und habe mit „ökonomischer Verwertung“ nichts zu tun. Zudem würde mit dem Preis für Bildung eine weitere Hürde vor dem Studieren errichtet, die für „sozial Schwache“ kaum zu überwinden sei. So kann man es lesen. … weiter

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